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1 (1899)
Entstehung
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413
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Sonderkrankenanstalten und Fürsorge für Geisteskranke. 413

Patient die Aelmlichkeit mit andern Krankenhäusern nicht übersehenkann, wenn er genöthigt ist, mindestens 8 Tage lang selber das Bettzu hüten und die andern Kranken gleichfalls im Bette zu sehen. Vonunmittelbarer, sehr heilsamer Wirkung ist die Bettbehandlung, die Wochen:oder nöthigen Falls Monate lang fortgesetzt werden muss, bei der Merlancholie. bei der Manie und bei allen Erschöpfungspsychosen. Abzu-rathen ist von der Bettbehandlung in Fällen mit bedeutender sexuellerErregung und Neigung zur Masturbation. Die Mehrzahl der Krankenbleiben nun ruhig im Bett liegen; immerhin aber giebt es stets einekleine Anzahl solcher, welche beständig das Bett verlassen. Hier kannman sich zunächst nun so helfen, dass man das Bett mit der einenLängsseite an eine Wand stellt und an die andere Längsseite einenWärter auf einen Stuhl sich hinsetzen lässt, der den Auftrag hat, dendas Bett verlassenden Kranken sanft zurückzuführen. In einzelnenFällen genügt dies, um den Kranken von weiteren Versuchen Abstandnehmen zu lassen. Diese Maassregel genügt natürlich nicht, wenn derKranke in stärkerer Weise erregt ist. Es empfiehlt sich dann die An-wendung eines sogenannten Kastenbettes: dies ist ein gewöhnliches Bett,dessen gepolsterte Kopfbretter und Seitenklappen etwa eine Höhe voniy 2 m haben und bei welchem die Seiten wände zum Zwecke derReinigung und Desinfection leicht abzunehmen sind. Diese Kasten-betten stellen zu gleicher Zeit die mildeste Form der Isolirung dar.

In geeigneten Fällen kann die Bettbehandlung durch medicamentöseMittel, welche erfahrungsgemäss Beruhigung und Schlaf schaffen, unter-stützt werden. Doch empfiehlt sich hierbei bei Psychosen mehr, als inandern Krankheiten, weises Zurückhalten. Eine einfache Ueberlegunglehrt, dass die Gefahr einer Gesundheitsschädigung' durch die Narcoticabei einer Psychose, die ja ungleich grössere Zeit zum Ablaufen braucht,als irgend eine körperliche Krankheit, ungleich grösser ist, als bei einerder letzteren. Immerhin wird sich stets Gelegenheit finden, durchChloralhydrat, Paraldehyd, Chloralamid, Amylenhydrat, Sulfonal, Trionaloder Bromsalze dem Kranken eine vorübergehende Erleichterung, Be-ruhigung . oder Schlaf zu verschaffen. Bei Bekämpfung depressiverAffectstörungen, (Angst, Traurigkeit) gilt Opium gewissermaassen alsSpeciücum; Hyoscin und Duboisin thuen bei schwer erregten Krankenoft gute Dienste.

Immerhin dürfte bei dauernd unruhigen Kranken, die nicht imBette zu halten sind, es vorzuziehen sein, sie zu isoliren, als sie längereZeit mit Narcoticis zu behandeln. Unter Isolirung versteht man dieVerbringung in ein, früher Zelle, jetzt Einzelraum genanntes Zimmer, inwelchem der Kranke weder störend wirken, noch sich oder seiner Um-gebung Schaden zufügen kann; im Einzelraum bedarf der Kranke ausnaheliegenden Gründen ebenso ständiger Beobachtung durch einen sach-verständigen Pfleger, wie im Wachsaal.

Mit Recht sagt Snell (1. c): Die rechtzeitige Isolirung eines Kran-ken und ihre rechtzeitige Aufhebung gehört zu den schwierigsten Auf-