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1 (1899)
Entstehung
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412
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412 Lewald,

Zwangsmittel in den Irrenanstalten forcierte, hat sich überall die zu-nehmende Tendenz entwickelt, bei der Behandlung Geisteskranker keinemechanischen Mittel, welche den Gebrauch der Glieder beschränken,mehr anzuwenden. Die Kranken werden in modernen Irrenanstaltenweder mit Zwangsjacken bekleidet noch in Zwangsstühle oder sonstirgendwo befestigt oder gebunden; dem freien Willen des Kranken, derseinen Körper oder seine Glieder zu bewegen strebt, wird kein mecha-nisches Hinderniss in den Weg gelegt. Auch die theilweise Beibehaltungdes Zwanges in Ausnahmefällen, z. B. bei chirurgischen Verletzungen,bei excessiver Unruhe, bei Koprophagie u. s. w., wofür ab und zu nochStimmen laut werden, lässt sich in keiner Weise rechtfertigen. Ist nundie Verbannung aller Zwangsmittel die erste Forderung einer freien Be-handlung der Geisteskranken, so ist die zweite, ebenso wichtige, denGeisteskranken als kranken Menschen eine der Art der Krankheit ent-sprechende Behandlung angedeihen zu lassen.

Behandlung der Krankon.

Unter den Heilmitteln, welche der modernen Psychiatric zu Gebotestehen, nimmt die Bettruhe zweifellos den ersten Platz ein. Man hatdie Behandlung mittelst Bettruhe, nachdem sie lange in Vergessenheitgerathen Avar, unter dem Namen Bettbehandlung' in ein festes Systemgebracht. Es bleibt das Verdienst von Paetz (Jahresbericht der Pro-vinzial-Irrenansta.lt Alt-Schorbitz 1881) und Neisscr (Berliner klinischeWochenschrift 1890 und Allgemeine Zeitschrift für Psychiatrie Bd. 50),auf die Bedeutung dieses therapeutischen Factors, energisch hingewiesenzu haben. Man lässt am zweckmässigsten die Behandlung jedes neuaufgenommenen Falles mit Bettruhe beginnen und die Erfahrung hat ge-lehrt, dass viele acut Geisteskranke sich ruhig zu verhalten und auchaus recht lebhafter Erregung ruhig zu werden pflegen, wenn man sie,,deren Gehirn, wenn auch nur funclionell, erkrankt ist als körperlicheKranke behandelt und ins Bett legt.

Kranke mit schwerer motorischer Unruhe gehören erst recht insBett, denn der Kräfte-Verbrauch wird dadurch auf das überhaupt er-reichbare Mindestmaass beschränkt; auch lässt sich eine dauernde Glcich-mässigkeit aller äusseren Bedingungen auf keinem andern Wege ebensoerreichen, wie durch Bettruhe. Nicht unwesentlich ist auch, dass dieUeberwachung des Kranken im Bett viel leichter durchzuführen ist, alsausserhalb desselben. Wenn die bisher besprochenen Gesichtspunktesich im wesentlichen nur auf acute Kranke beziehen, so ist zu bemerken,dass die Bcttbehandlung auch bei chronischen Geistesstörungen, die viel-leicht schon Jahre lang bestehen, durchaus zweckmässig ist; wird sieauch in diesen Fällen keine therapeutischen Erfolge zeitigen, so hat siejedenfalls unter allen Umständen den Nutzen, dem Kranken eindringlichzu zeigen, dass man ihn für krank hält und als Kranken behandelt.Wir werden mit Snell (I. c. pag. 62) annehmen dürfen, dass der