Druckschrift 
1 (1899)
Entstehung
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406
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406 Lewald,

bedürftigen zu gehören und der Absonderung und des Abschlusses nachaussen zu bedürfen.

In die geschlossenen Abtheilungen gehören auch die Einzelzimmerund Einzelräume. Eigentliche Abtheilungen für Unruhige,Tobabthci-hingen", gehören jetzt zu den seltenen Erscheinungen.AVo Ucbor-füllung oder äussere Beschränkung freier Bewegung oder Mangel anBeschäftigung zur Vermehrung der unruhigen Kranken führt, ist durchentsprechende Abhilfe die indicatio causalis zu erfüllen und nicht durchverkehrte symptomatische Behandlung, d. h. durch Einsperrung und Un-schädlichmachen der Aufgeregten aus einem acuten Krankheitssymptomein chronisches Leiden zu machen. Tob- und Isolirabtheilungen erklärendas Toben und Isoliren in Permanenz und mit ihrer Beseitigung schwindetauch das Bedürfniss dafür" (Paetz. 1. c. pag. 87).

In die Wachabtheilung kommt jeder neu aufgenommene Krankezunächst; je nach seinem Zustande, nach der Behandlung und nach demMaasse von Pflege und Fürsorge, dessen er bedarf, wird er später ineine andere Abtheilung verlegt.

In jeder grösseren Anstalt befinden sich beständig Sieche, körper-lich hilflose Kranke, die infolge organischer Krankheiten des Gehirnsoder anderer Organe das Bett nicht mehr verlassen können. Für dieseKategorie von Kranken besteht fast überall eine besondere Abtheilung,die am meisten von allen Abtheilungen der Irrenanstalt einem gewöhn-lichen Krankenhause ähnlich ist. Die sogenannten offenen Abtheilungenunterscheiden sich von den anderen dadurch, dass in ihnen die Thürcnunverschlossen sind und dass in ihnen die Ueberwachung der Krankenin der Regel geringer sein kann als in den geschlossenen Abtheilungen.

Noch einen Schritt weiter gehend finden wir ausserhalb der Haupt-anstalt liegend in den meisten neueren Anstalten dieOolonie", d. h.ein oder mehrere Gebäude, die völlig frei im Gelände der Anstalt stehenund nur Nachts verschlossen werden. In ihnen wohnen meist ruhigechronische Kranke, die sich mit Feldarbeit etc. beschäftigen.

Die behagliche und gemüthiiehe Einrichtung der Räume der offenenHäuser, ihre Ausschmückung mit Bildern, Möbeln, Portieren, Teppichen,der Schmuck der Blumen auf Fenstern, Tischen, auf der gemeinschaft-lichen Speisetafel, das und noch viele andere grosse und kleine Dingeerfüllen den Raum mit dem undefinirbaren Hauche der Gemüthlichkcit(Erlenmeyer, Unser Irrenwesen. Wiesbaden 1896). Auf den Abthei-lungen für Ruhige empfiehlt sich auch die Anlage kleinerer einzelnerZimmer: manche Kranke fühlen sich nämlich, wie ja auch viele gesundeMenschen, in grossen, weiten Räumen stets unbehaglich, lieben es da-gegen, in kleinen abgetrennten Zimmern zu wohnen. Diesem an sichnicht unberechtigten AVunsche wird eine verständige Anstaltsleitung stetssoweit entgegenkommen, als es der jeweilige Zustand des betreffendenKranken irgend gestattet.

Eine Anstalt, die viele acute Kranke aufnimmt und die Möglichkeitbat, die chronischen Kranken anderen Anstalten zu überweisen, also