Sonderkrankenanstalten und Fürsorge für Geisteskranke. 403
jedes Verstaudniss und damit jede Möglichkeit für einen persönlichengeistigen Vorkehr und ein andrer Theil der Kranken lehnt in Folge vonWahnideen und Sinnestäuschungen jeden persönlichen Verkehr mit demGeistlichen ab. Aus alledem folgt, dass die mit der Stellung desAnstaltsgeistlichen verbundene Arbeit nicht sehr gross ist und recht gutim Nebenamte geleistet werden kann.
Dagegen empfiehlt es sich sehr, an jeder Anstalt einen Lehrer imHauptamte anzustellen. Für ihn findet sich, falls er der richtige Mannist, ein reicher Wirkungskreis. Abgesehen von dem Unterricht, den ergeeigneten Kranken nach Anweisung der Direction zu ertheilen hat, hater die regelmässig stattfindenden Gesangsübungen zu leiten, kann,untergünstigen Umständen kleine Musikaufführungen zu Stande bringen,Theaterstücke zur Verschönerung der Anstaltsfeste einstudiren u. a. m.Zweckmässigerweise wird ihm die Verwaltung der Unterhaltungsbibliothekübertragen.
Ein wesentliches Erforderniss jedes Krankenhauses ist Ordnung undbesonders in einer Irrenanstalt ist sie unbedingt nöthig. Sie findet ihrenschriftlichen Ausdruck in der Hausordnung, welche, von der Anstalts-direction erlassen, den Kreislauf des inneren Lebens in der Anstaltregelt und bestimmt. In ihr ist auch die Tageseintheilung für die Krankengewöhnlich enthalten, von der im einzelnen Falle nur auf ärztliche Ver-ordnung abgewichen werden kann; sie muss eine| zweckmässige Aus-nutzung der Zeit und die gehörige Abwechselung von Ruhe und Arbeitgestatten. Die Tagesordnung zeigt in den meisten deutschen und ausser-deutschen Irrenanstalten eine durch die Landessitte nur wenig modificirtcForm: es ist zweckmässig, dass die Kranken frühzeitig (zwischen 5 und6 Uhr, je nach der Jahreszeit) aufstehen, gegen 7 Uhr frühstücken;zwischen 9 und 10 das zweite Frühstück bekommen, das die Oolonnender Fcldarbeiter am besten mit aufs Feld nehmen, um 12 die Haupt-mahlzeit, zwischen 6 und 7 Uhr das Abendbrod einnehmen und gegen9 Uhr zu Bette gehen. Die Arbeitsstunden werden theils vor, thcilsnach der Mittagsmahlzeit so vertheilt, dass vor und nach der letztereneine längere Pause stattfindet. Die Zeit nach dem Abendbrod ist demgeselligen Vergnügen und der Erholung gewidmet. Das Einerlei destäglichen Lebens wird zweckmässiger AVeisc durch Spaziergänge, kleineFeste mit Theatervorstellung und Tanz, u. a. m. unterbrochen.
Jede Irrenanstalt zerfällt selbstverständlich in eine grössere oderkleinere Zahl von verschiedenen Abteilungen, die je dem geistigen Zu-stand ihrer Bewohner entsprechend eingerichtet sein müssen; man unter-scheidet gewöhnlich Abtheilungen für Ruhige, Halbruhige, Ueberwachungs-bedürftige, Sieche; die Irrenanstalt enthält ausserdem alle Einrichtungeneines Krankenhauses für körperlich Kranke; doch ist hier die innereEinrichtung vielleicht von noch grösserer Bedeutung, als bei jederanderen Ki*ankenanstalt. Es empfiehlt sich, die einzelnen Abtheilungenin verschiedenen von einander durch Gartenanlagen getrennten Gebäudenunterzubringen. Die Erfahrung (Moeli, die Irrenanstalt Herzberge,