Druckschrift 
1 (1899)
Entstehung
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402
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402 Lewald,

des ersten Arztes sein muss, der mit einer gewissen Unumschränktheitalle sonstigen Kräfte zum Besten des Ganzen verwendet. Die Eigen-thümlichkeit der in der Irrenanstalt behandelten Krankheiten bringt esnun mit sich ich folge hier den Darlegungen Gricsingcr's (1. c),die auch heute noch ihren vollen Werth haben, dass derselben nichtnur alle Mittel der gewöhnlichen Medicin zu Gebote stehen müssen,sondern dass sie zugleich alle Einrichtungen besitzen muss, nicht nurum den Kranken vor Beschädigungen seiner selbst abzuhalten (wenigstensin einigen Abtheilungen), sondern auch, um ihm in Bezug auf Verpflegung,Bewegung in freier Euft, Beschäftigung und Unterhaltung alles Nöthigedarzubieten. Deshalb muss jede Anstalt nicht nur das Nöthige Warte-und Pflege-, sowie Haus- und Dienstpersonal, die nöthigen Räumlich-keiten zur Isolirung einzelner besitzen, sie muss auch mit Grundstückenzur Feldarbeit, mit Gärten und Anlagen zu Spaziergängen, mit Werk-stätten und Arbeitsmaterial zur Beschäftigung und mit vielfachen Mittelnzur Unterhaltung der Kranken versehen sein. Die Scheidung nachGeschlechtern ist selbstverständlich, aber auf beiden Abtheilungen mussauch Trennung der Kranken nach ihrem zeitweiligen Zustand, nach demMaass von notwendiger Pflege und Beaufsichtigung und zulässigerFreiheit erfolgen. Ein Hauptgrundsatz der ganzen inneren Einrichtungsoll immer sein, dass die ganze häusliche Einrichtung und Ausstattung,soweit irgend thunlich, möglichst wenig von der jedes anderen grossenPrivathauses sich unterscheide; das Ganze muss den Eindruck einesärztlichen Zwecken und der Gesundheitspflege gewidmeten Bauwesens,den Eindruck der Wohnlichkeit, Behaglichkeit und Solidität machen undnicht genug kann auf Geschmack und Freundlichkeit in der Erscheinung,besonders auf die ängstliche Sauberkeit Werth gelegt werden.

Ueber die Zahl der Aerzte, die erforderlich ist, wird weiter untenbei Gelegenheit der Erörterungen über Heranbildung und Leitung desWartepersonals gesprochen werden; dagegen müssen an dieser Stelleeinige Worte .der Stellung des Anstaltsgeistlichen gewidmet werden. Eseignen sich zu dieser Thätigkeit nach Zinn (Revisionsberichtc der ost-preussischen Irrenanstalten. 18.95) nur ältere Geistliche mit reicherLebenserfahrung, feinem Tacte, mildem und verträglichem Charakter.Solche Geistliche bewerben sich aber um die Stelle als Hauptamt inder Regel nicht oder geben dieselbe nach kurzer Zeit wieder auf. Einhäufiger Wechsel der Inhaber dieser Stelle findet deshalb zum Nachtheilder Kranken und der Anstalt statt. Es empfiehlt sich deshalb, denGeistlichen nur im Nebenamt an der Irrenanstalt anzustellen, besondersda das Schwergewicht der Seelsorge an einer Anstalt ganz vornehmlichin dem gemeinsamen Sonntagsgottesdienste liegt. Bei der grossenMehrzahl aller frischen Fälle ist ja bis zum Beginn der Genesung oder,sofern sie unheilbar sind, während der ganzen Höhe der Krankheit einpersönlicher Verkehr des Geistlichen mit diesen Kranken unmöglich undauch aus ärztlichen Gründen unstatthaft. Bei einem grossen Theil derchronisch Geisteskranken, den hochgradig Blödsinnigen, fehlt ferner