Sonderkrankenanstalten und Fürsorge für Geisteskranke. 397
und Therapie der psychischen Krankheiten. Braunschweig 1876). Dennnirgends in den gewöhnlichen Lebensverhältnissen ist dieser vor Zudring-lichkeit, vor einer, auch beim besten Willen, meist unzweckmässigenEinwirkung seiner Umgebung geschützt, nirgends findet er jene Schonung,die aus einer klaren Einsicht in seinen Zustand hervorgeht. Nur in derAnstalt findet der Kranke, der vorläufig nicht mehr in die Welt derGesunden passt, alles beisammen, was sein Leiden erfordert, einen mitder Behandlung solcher Zustände genau vertrauten Arzt, geübte Wärter,eine ganze Umgebung, welche konsequent und den Umständen gemässzu handeln weiss, ein Asyl, wo sein krankes Thun und Treiben vor zu-dringlichen Augen geschützt ist, wo ihm die nöthige Ueberwachung ge-räuschlos zu Theil wird, wo ihm aber gewöhnlich auch ein weithöheres Maass von Freiheit, als unter allen andern Umständen gegebenwerden kann.
Die Ueberweisung eines heilbaren Geisteskranken in eine Irren-anstalt kann nicht früh genug geschehen: es ist bekannt und in zahl-reichen Anstaltsberichtcn ausgefürt (eine Sammlung derselben in der vonBrosius herausgegebenen Zeitschrift: Der Irrenfreund, Jahrgang 1889),von welch grossem Einfluss die baldige Aufnahme eines Geisteskrankenauf die Prognose seines Leidens ist; es ist nachgewiesen, dass die Zahlder Heilungen viel grösser bei den Kranken ist, bei denen die Psychosekurz vor der Aufnahme in die Anstalt eingetreten ist, als bei älterenFällen. Dies lehrt aufs Schlagendste eine Tabelle, die ich dem Ver-waltungs-Bericht über die rheinische Provinzial-Irren-Anstalt zu Düren
genasen bei einer Krankheitsdauer vor
41,8 pCt. Männer und 40,9 pCt. Frauen.3'S ß
für 1878—1887 entnehme.
Es
der Aufnahme:
bis zu 1 Monat . . .
41,8
von 2—3 „ . . .
30,1
4__6
15,7
„ 7-12 „ . . .
4,8
im 2. Jahre . . . .
4,8
von über 2 Jahren
2,8
14 86 2
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Wenn man alle Fälle mit einer Krankheitsdauer bis zu 6 Monatvor der Aufnahme allen denen mit über 6 Monate Krankheitsdauer vorder Aufnahme gegenüber stellt, so findet sich nach dem eben erwähntenBericht ein Procentsatz an Genesungen von 87,7 für die Männer und91,3 für die Frauen, bei einer Krankheitsdauer vor der Aufnahme biszu 6 Monat, aber 12,3 für Männer und 8,7 für Frauen bei einer über6 Monate hinausgehenden Krankheitsdauer vor der Aufnahme. Die Ge-nesungsfähigkeit bei kurzer Krankheitsdauer vor der Aufnahme ist alsobei den Männern 7 Mal und bei den Frauen 11 Mal so gross, als wenndie Erkrankung schon länger, als 6 Monate vor der Aufnahme in dieAnstalt bestanden hat. Mit Rücksicht auf die eindringliche Gewalt,mit der diese Zahlen reden, kann der Arzt sehr viel Nutzen stiften,wenn er das Publicum im allgemeinen und seine Glientel im besonderenmit der Thatsache bekannt zu machen sucht, dass der Procentsatz