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die Angehörigen dem Kranken gegenüber zu benehmen und zu ver-halten? Eine kurze Besprechung dieser Frage erscheint nothwenclig,denn der Mehrzahl der praktischen Aerzte ist die Psychiatrie ein un-gewohntes und daher unangenehmes Gebiet, und doch erwartet der Laievon ihnen Eath und Aufklärung, was mit dem Kranken anzufangen sei,wie man dem Patienten begegnen solle, wie man psychische Kranken-pflege mit ihm treiben solle, da ja bis zur Aufnahme in eine Anstalt(wenn, wie meist, eine solche erforderlich ist) selbst im günstigsten Falleeinige Tage vergehen. Zunächst ist hier mit allem Nachdruck zu betonen,dass jede Geisteskrankheit — wie es ja schon im Ausdruck selbst liegt■— eben eine Krankheit ist und nicht etwa als ein Besessensein durcheinen Dämon oder dergl. anzusehen ist. Diese Bemerkung erscheintvielleicht überflüssig, ist es aber in Wirklichkeit nicht, wie Ereignisseder letzten Jahre und verschiedene Vorträge von Geistlichen beweisen,(vergl. Allg. Zeitschrift für Psychiatrie. Bd. 50). Stets soll man sichjedem Geisteskranken gegenüber der strengsten Wahrheitsliebe belleissigcn,ihm ruhig eröffnen, dass man ihn für krank hält und in jeder Beziehungihm gegenüber ebenso ehrlich und aufrichtig sein, wie körperlich Krankengegenüber. Dass man einem beginnenden Paralytiker seine traurigeZukunft nicht direkt ins Gesicht sagt, ist ebenso selbstverständlich, wiedie Rücksicht, die man gegen einen an Carcinom Leidenden nimmt,indem man ihm die Wahrheit ganz oder theilweise verbirgt. Wahnideen,die ein Kranker äussert, sind ein Produkt seiner Krankheit und alssolche zu betrachten; verwerflich ist es, auf sie einzugehen und demKranken, der sie entwickelt, beizustimmen; ebenso falsch ist es aber,sie mit dem Kranken zu diskutiren oder zu versuchen, durch „Vernunft-gründe" seine krankhaften Ansichten und Anschauungen zu widerlegen;letzteres Verfahren ist um so bedenklicher, als es in manchen Fällenden Kranken veranlasst, seine Wahnideen zu dissimuliren und ihn fastin allen Fällen aufregt. Früher hat man geglaubt — und Laien er-zählen noch heute davon Wunderdinge —, dass man dem Krankennützen könne, wenn man eine krankhafte Ansicht ihm zugebe, z. B. diehypochondrische Wahnidee, er habe ein Thier im Körper und dann durcheine Scheinoperation ihn zu dem Glauben bringe, das Thier sei nunmehrentfernt; derartige Versuche können schon aus theoretischen Erwägungen,die durch die praktischen Erfahrungen älterer Psychiater (Literatur beiStiel! 1. c. pag. 20) durchaus bestätigt worden sind, keinen Nutzenbringen, schädigen dagegen den Patienten sehr häufig. Am besten wirdder Arzt stets thun, wenn er jede Diskussion der Wahnideen ablehntund dem Kranken etwa sagt: Ich glaube Ihnen gern, dass Sie von derAVahrheit dessen, was Sie mir sagen, fest überzeugt sind; ich dagegenmuss die von Ihnen geäusserte Ansicht als krankhaft bezeichnen; sprechenwir nicht darüber und überlassen der Zukunft, zu entscheiden, wer Rechthat! — Ueberflüssig erscheint fast, hervorzuheben, dass alle Worte undalle Handlungen eines Geisteskranken aus seiner Krankheit fliessen unddass deshalb eine sittliche Entrüstung darüber durchaus ungerechtfertigt