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1 (1899)
Entstehung
Seite
387
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Sonderkrankenanstalten und Fürsorge für Syphilitische und Lepröse. 38/

vor allem in Folge ihrer Dürftigkeit gar nicht im Stande ist, derartigeVorsichtsmassregeln selbst zu treffen. Hier ist es nicht zu umgehen,dass man die Kranken aus ihren Familien wegnimmt und in einer ge-eigneten Anstalt unterbringt.

Für den Kreis Memel hat bekanntlich die preussische Regierungnunmehr an einer sehr geeigneten Stelle in der bei der Stadt Memelgelegenen Plantage den Bau einer Lepra-Colonie in Angriff genommen.Als Muster gelten die Leprosorien in den russischen Ostseeprovinzcn,welche im Laufe der letzten Jahrzehnte in Folge der stetig anwachsendenZahl von Leprösen daselbst eines nach dem andern errichtet werdenmussten. Um einen Begriff von der Einrichtung eines solchen Lepro-soriums zu geben, folgt hier eine Beschreibung der Lepracolonie KrutijaRutschj im Gouvernement St. Petersburg nach der Darstellung der vonder preussischen Regierung zum Studium der russischen Lepra entsandtenCommission:

Die Anstalt ist eine Lepracolonie, d. h. in ihr sind die Kranken nicht ineinem krankenhaus- oder asylartigen Gebäude, sondern in mehreren kleinen Block-häusern untergebracht, welche ihnen ein behagliches und mehr familienhafles Heimgewähren. Diese Einzelhäuser, von denen zwei fertig gestellt sind und drei weiterenoch errichtet werden sollen, sind einstöckig aus Balken mit Bretterverschalung er-richtet und enthalten je ein Zimmer, eine Kammer, eine Küche, ein Closet und einenBesenraum. Jedes dieser Häuser, zu denen eine kleine Treppe emporführt, ist voneinem Zaun umfriedigt und von einem Gärtchen, welches seine Bewohner bestellensollen, umgeben. Der Preis eines Häuschens beläuft sich auf 300 llbl. = 651 M.,wobei jedoch der Grund und Boden, sowie die Balken, welche kostenfrei geliefertsind, nicht eingerechnet sind. Ferner ist vorhanden eine einstöckige Kranken-baracke, welche in zwei gleicheHälften, bestehend ausFlur,Krankensaal undBade-raum mit Closet, getheitt ist. Bei Zugrundelegung eines Luftraumes von 37 cbm proKopf würden 12 Kranke in dem Hause Unterkunft finden können. Wir fanden in demeinen Saale 10 Männer, in dem anderen 8 Frauen, doch wird sich nach Fertigstellungder noch in Aussicht genommenen 3 Einzelhäuser die Belegung der Säle entsprechendverringern lassen. An Wirtschaftsgebäuden sind vorhanden: 1) ein Küchen-gebäude mitSpcisesaal, 2) eineWaschküche mit Dampfbad für das Dienstpersonalund Desinfectionskammer, 3) ein Stallgebäude, enthaltend 2 Zimmer für KnechteundMägde, eineWagenremise, einen Kuh- und einenPferdestall. Neben demKranken-haus liegt ein einstöckiges Apothekengebäude, in welchem sich ein grössererSaal und 2 Eckzimmer befinden; ersterer dient zur Aufstellung der Hausapotheke undzur Ausführung der erforderlichen Verbände und Operationen, die Zimmer sind zurAufnahme eines Wärters und einer Wärterin bestimmt. Ferner sind vorhanden: einsehr wohnlich eingerichtetes Arzthaus, bei dem sich auch ein Stall mit Wagen-remise befindet und das eine besondere Einfriedigung hat, und eine griechisch-katho-lische Capelle mit Todlenkammer.

An Inventar erhalten sie eiserne Bettstellen mitStrohsack, Laken, Kopfpolster,wollene Decken mit Ueberzug, hölzerne Schemel und Schränkchen. Die Ausstat-tung der Bäume machte einen sauberen und behaglichen Eindruck; die Fenster insämmtlichen Bäumen sind doppelt, die Heizung geschieht mit Holz in mächtigenKachelöfen; das Trinkwasser wird zweckmässig gebauten Pumpbrunnen ent-nommen. Die Closets in der Krankenbaracke werden mit Wasser gespült, welches