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1 (1899)
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385
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Sonderkrankenanstalten und Fürsorge für Syphilitische und Lepröse. 385

derselben wieder abnahm, kam es nicht selten vor, dass Vagabunden oder Arme, umein erträgliches Dasein zu führen, sich als Aussätzige schminkten, um auf dieseWeisein die Hospitäler zu gelangen, so wie in unseren Tagen die Aermsten der Armen ofteinVerbrechen begehen, um hinter den Mauern des Gefängnisses Obdach und Nahrungzu erhalten.

DasLoos der unglücklichenFeldsiechen" kann aber wohl selbst für dieAermstenjener Zeit kein begehrenswerthes gewesen sein. Liest man, wie Ulrich von Lichten-stein im Jahre 1227 zu Ehren seinerFrauen", als Aussätziger verkleidet, unter dieFeldsiechen ging und mit ihnen die erbettelten Pfennige, Speise und Trank theilte,und wie ihm vor der Krankheit und dem Unflath, den er daselbst sah, grausete,so kann man sich ein Bild von dem entsetzlichen Elend machen, das dort an-gesammelt war. (Blaschko. Die Lepra im Kreise Memel. Berlin 1897.)

Für uns hat der Lepröse seinen geheimnissvollen Nimbus verloren;wir wissen, dass die Uebertragung nur durch den Leprabacillus ge-schehen kann, und dass zum Zustandekommen der Uebertragung derBacillus lebend den kranken Organismus verlassen und auf direktemoder indirektem Wege in den gesunden Organismus eindringen muss.Daraus geht schon eins hervor, nämlich, dass die nicht tuberöse, die so-genannte anaesthetische Lepra in weitaus der Mehrzahl der Fälle nichtals Quelle der Infection in Betracht kommt. Es kommt ja, wie schonoben erwähnt, vor, dass auch bei diesen Kranken sich in der Haut mitBacillen angefüllte Leprome entwickeln, und es kommt vor, dass dasSekret ihrer Nasenschleimhaut, namentlich in vorgerückten Stadien, Ba-cillen enthält, welche dem Sekret zerfallener Schleimhautleprome ent-stammen; aber die meisten änaesthetisch Leprösen tragen ihre Bacillen die noch dazu sehr spärlich sind wohlverwahrt in ihren Nerven-scheiden, der Eiter ihrer Phlegmonen und Ulcerationen ist bacillenfrei,und die Kranken sind in Folge dessen für ihre Umgebung relativ harm-los. Eine änaesthetisch Lepröser wird denn auch wohl selten Ausgangs-punkt neuer Fälle.

Für die Prophylaxe kommen also in erster Linie die tuberös Le-prösen in Betracht. Contagiös ist an ihnen das bacillenhaltige Sekretzerfallener Haut- und Schleimhautleprome, vielleicht zeitweise derAuswurf, und möglicherweise, wenn auch nicht wahrscheinlich, derSeh weiss.

Daraus ergeben sich nun als Regel für die individuelle Prophylaxe:Aeusserste Reinlichkeit der Patienten, aseptischer Abschluss jeglicherWunden und Verhütung des Auftretens neuer Wunden. Letzteres ist umso leichter zu erreichen, als, wie wir gesehen haben, die Leprome meistnicht spontan zerfallen. Wenn Campana neuerdings (Verhdlg. des 3teninternationalen Dermatologen-Congresses, London 1896) als rationellsteProphylaxe der Lepra die Excision resp. die Thermokaustik jedes neuauftretenden Knotens empfiehlt, so setzt er sich in strikten Widersatzmit unserem Bestreben, das Leprom mit seinen Bacillen durch eine un-versehrte Hautdecke von der Aussenwelt abzuschiiessen. Denn wennauch erfahrungsgemäss bei Leprösen Wunden sehr gut heilen, so hat