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1 (1899)
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375
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Sonderkrankenanstalten und Fürsorge für Syphilitische und Lepröse. 375

zu machen liier müssen noch andere Wege eingeschlagen werden.Das ist vor allem die Anleitung der Prostituirten zur fortgesetztenSelbstbehandlung durch Irrigationen mit antisemitischen oder adstrin-girenden Medikamenten Morgens, Abends, vor und nach dem Beischlaf,sowie ferner die consultative ambulante Behandlung derselbengelegentlich der Oontrole. Ich habe in Uebereinstimmung mir,Fournier und Ncisser zu wiederholten Malen eine solche ambu-lante Behandlung, und damit eine Umgestaltung des bisher höchst odiösenpolizeilichen Untersuchungsaktes in eine den Prostituirten selbst er-wünschte wenn auch polizeilich vorgeschriebene poliklinische Sprech-stunde gefordert; die Misserfolge der klinischen Gonorrhoebehandlungdrängen geradezu zu einem solchen Ersatzmittel. Ob man den Prosti-tuirten das Vorräthighaltcn von Schutzmassregeln wie Condoms,Sublimatlösung, Blokusewski's Argentumtropfglas, empfehlen odergar vorschreiben soll, erscheint mir eine Frage von untergeordneter Be-deutung; irgend welchemoralische" Bedenken können hierbei sicherlichnicht in Frage kommen.

B. Fürsorge für die übrigen venerischen Kranken.

Die geringen Erfolge, welche die Behandlung der venerisch er-krankten Prostituirten aufzuweisen hat, ist begründet nicht nur in densoeben erörterten medicinischen Momenten es treten noch eine Reihe,von socialen Faktoren hinzu, welche den Werth des bei uns üblichenVerfahrens wesentlich herabzumindern geeignet sind, das sind nament-lich die Schwierigkeiten, welche die Auffindung und die andauernde Be-obachtung der Prostituirten in einigennassen grossen Städten erfordert.Die erleichterten Verkehrsbedingungen der Grossstadt ermöglichen es,dem Einzelindividuum in der Masse zu verschwinden, und lassen bei unsauf diese Weise alljährlich etwa ein Drittel der eingeschriebenen Prosti-tution der Oontrole entschlüpfen. Und dann tritt in Industriestädten zuder eigentlich gewerbsmässigen Prostitution die an Zahl bei weitemumfangreichere gelegentliche hinzu, bei der eine Oontrole weder durch-führbar noch statthaft wäre. Aber gerade das lässt die Fürsorge für-den nicht unter polizeilicher Aufsicht stehenden Antheil der Venerischenals eine ausserordentlich wichtige hygienische Angelegenheit erscheinen.Wie sie heute beschaffen ist, ist diese Fürsorge eine vorwiegend negative.Wie ich in- meinem BucheSyphilis und Prostitution" (S. 92) ausführte,sind fast alle legislatorischen Massnahmen, alle gesellschaft-lichen Einrichtungen, die in irgend einer Weise auf die vene-rischen Krankheiten Bezug nehmen, derart beschaffen, alswären sie in raffinirtester Weise ersonnen, diese Krankheitenunter der Bevölkerung möglichst zu verbreiten und zu ver-mehren ein Ausspruch, der oft citirt und allgemein als richtig an-erkannt worden ist. .....

Handbuch der Krankenversorgung u. Krankenpflege. I. Bd. 25