Druckschrift 
1 (1899)
Entstehung
Seite
358
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358 G. Liebe,

mangelhaftem Appetit leidenden Kranken erwies sich die Arbeitgeradezu als Hülfsmittel bei der Heilung und die Warnungeneinzelner Aerzte haben sich nicht als gerechtfertigt erwiesen".

Sei es nun, dass man diese Thätigkeit ins Gebiet der Feldwirt-schaft verlegt (Niemejy er, Mayer, v. Leyden, Ascher, v. Schroetter)oder in den Gemüse- und Obstgarten oder das Wegereinigen (Grabow-see, v. Schroetter, v. Ziemssen, München-Stadt), eins wird sich meinesErachtens nöthig machen, wenn anders man die bisher meist aufgetretenenSchwierigkeiten überwinden will: der Arzt muss an diesen Arbeitenwelche ärztlich für gewisse Kranke nicht nur gestattet, sondern mit derErklärung des Grundes angerathen werden Interesse zeigen, ja auch ein-mal im Garten, im Walde, bei dem mit dem Säubern der Wege zusammen-hängenden Bau einer Schneehütte mit zugreifen und den ihn treffenden Ballnicht übelnehmen. Fühlen sich alle Kranken mit dem Arzte als Mittel-punkt als grosse Familie, so greift jeder wie ein Familienmitglied zu, woes angeht.Ich brauche nur zu bitten, so kommen sie von allen Seitenherbei", sagte mir die ein strenges, aber prächtiges, liebevolles Regimentführende Oberin auf dem Königsberge, und als ich in Oderberg auf dieFrage, warum ich selbst den Schnee vor meiner Thür entfernte, ant-wortete: wenn ich's nicht thue, bleibt er liegen, war am andern Morgenmein kleines Gehöft von Schnee gesäubert und als Schutz stand eineSchneewache mit Schilderhaus davor. Dieses naive Beispiel lehrt fürdie so sehr wichtige Frage eine grosse Menge.

Geeignete Kranke werden sich ein Vergnügen daraus machen, wennihnen die Heilstätte Werkzeug liefert, in der Liegehalle sitzend ihrenKameraden die Schuhe auszubessern, die Kleider zu flicken. Mädchen,welche überhaupt leichter zur Mitarbeit zu bewegen sind, helfen in Kücheund Waschhaus mit. In Schwendi hat man kleine Werkstätten einge-richtet; schon Weber empfiehlt offene Arbeitshallen. Am Grabowseelackiren die Kranken gern Rohrmöbeln, welche Ihre Majestät die Kaiserinmitsammt der Farbe zur Verfügung stellt. In Guetergotz (Sanatoriumder I.-V.-Anst. Berlin) hat man eine Schlosser- und eine Tischlerwerk-stätte, in welcher bei freiwilliger Beschäftigung gegen Tagelohn alleReparaturen ausgeführt werden können (Schrift, d. Centralstelle. S. 144).

Mehr zur Unterhaltung kann man Werkzeug und Lehrbücher fürSchnitz-, Papp-, Modellirarbeiten bereit halten; in St. Andreasberg fer-tigten die Kranken sehr netten Wandschmuck aus Tannenzapfen, um ihnden Ihrigen als Harzandenken mitzubringen.

. Aber auch wirkliche Spiele biete man, namentlich leichte Brett-spiele. Gegen Schach erklären sich z. B. Volland, Penzoldt. Karten-spiel musste auch dort verboten werden, wo man es anfangs gestattenzu müssen glaubte (Oderberg). Auch beim Spiel sei man eingedenk desVersuches Brehmer's, der 8 Tage Abends spielte, 8 Tage nur las oderplauderte, und an den ersten Abenden mehr als das Doppelte an Ge-wicht abnahm, als an den letzten. Billard wird von manchen gestattet,doch sollen es nur Kräftige spielen dürfen, Kegclspiel mit Hängekugel,