Sonderkrankenanslalten und Fürsorge für Lungenkranke. 357
die letzte Zeit der Cur — etwa ein Drittel — der activen Vorbereitungdazu gewidmet werden (vergl. dazu die ausgezeichnete AusführungFroehlich's, „Die Individualität des Kranken und ihre Bedeutung fürKranken beh and hing und Krankenpflege". Zeitschr. f. Krankenpflege 1898.No. 2. S. 40). Ascher (Deutsche med. Wochenschr. 1895. No. 19)macht eine Zweitheilung: im ersten Theile der Cur mehr Behandlung,„im zweiten Theile tastende, sich stetig mehrende .Versuche, zu arbeiten,unter beständiger Controle des Arztes, der sich bei den geringsten Be-schwerden stets klar zu machen hat, ob Lungenkrankheit oder die Neur-asthenie des Erschlafften daran schuldsind, ob er hemmen oder ermuntern soll".
Dettweiler möchte „in den ersten drei Curmonaten", d. h. alsozumeist in der ganzen Cur von „jeder eigentlichen ernsthaften Beschäfti-gung" absehen (Sehr. d. Centralstelle. No. 12. S. 117), wogegen Dütt-mann (I.-V.-Anst. Oldenburg; ebenda S. 133) unter voller Berücksichti-gung des praktischen Lebens sagt: „Eine Heilstätte, die dem Zweckedient, unbemittelte Kranke aufzunehmen, erfüllt meiner Ansicht nachihren Zweck nicht voll, .wenn # sie den Arbeiter nicht wieder zum Arbeitermacht. Wenn der Arzt seine medicinischen Erfolge erreicht hat, so istder Zweck noch nicht erreicht, wenn nicht der Mann im Stande ist, inseinen Beruf zurückzukehren oder in einen anderen überzutreten, undvon diesem Standpunkte aus ist auch die Beschäftigung zu betrachten".Eine neuere Mittheilung, welche Wolff über Albertsberg macht (Heil-stätten-Correspondenz 1898. No. 5) ist so interessant, dass sie hiernicht übergangen werden darf. Er schreibt:
„Ueberraschend gut hat sich die Beschäftigung der Krankenmit Arbeit bewährt. Die Hausordnung, die inne zu halten sich die neueintretenden Kranken verpflichten, bestimmt, dass die Patienten, je nachihrem Beruf und Krankheitszustand, zu leichten Arbeiten für die Anstaltherangezogen werden können, soweit dies vom Arzt vorgeschrieben undgestattet ist, und es ist diesem Satze der Hausordnung nicht nur gernnachgekommen worden, sondern häufig genug war ein Uebereifer zuhemmen. Das Reinhalten der Wege vom Schnee während des vergan-genen Winters, die Herstellung von Waldwegen in der Nähe der Anstalt,die neue Schöpfung von Gartenanlagen, alles dies ist nur von den Pa-tienten besorgt worden, und gern haben sie sich dabei, welchem Standesie auch angehörten, selbst Kranke des Lehrer- und Kaufmannsstandes,den Anordnungen des Inspektors, des Arztes oder eines fachmännischenLeidensgenossen, gefügt. Aber auch die Liegehallen im Walde, mancherleiNützliches und Unnützliches zum Zierrath ist von der Hand der Pa-tienten entstanden. Vor allem sind stets geeignete Kranke, natürlichnur wenige Stunden, mit Holzschlagen beschäftigt gewesen, so dass schonallein hierdurch der Anstalt eine peeuniäre Ersparniss von nicht ganzgeringer Bedeutung möglich war.
Die Erfolge der Patienten sind nicht im mindesten durch die Be-schäftigung beeinträchtigt wor.den, im Gegentheil — wie sich nicht anderserwarten liess — bei manchen zur Hypochondrie neigenden oder an