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1 (1899)
Entstehung
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356
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856 . 0. Liebe,

30. Beschäftigung und Unterhaltung der Kranken.

Wenn man Kranke beschäftigt, so soll man vor allem nicht davonausgehen, dadurch Kosten zu sparen (Wolff, Penzoldt, Hampe; auchicli trat früher dafür ein). Die Kranken werden dann widerwillig, lassensich von ortsangesessenen Arbeitern aufstacheln und niemand thut mehretwas (Grabowsee). Kranke freiwillig gegen Entgelt arbeiten zu lassen{Oderberg, Königsberg, Grabowsee: Anstaltsordnung, Punkt 3), hat auchseine grossen Bedenken.Dagegen würde ich hautement und immerstimmen, dass man die Insassen der Heilstätten zum Verdienen arbeitenlässt" (Dettweiler. Schriften der Centralstelle. No. 12. S. 117). Ichwage es noch nicht, über diesen Punkt des Entgeltes hier ein ab-schliessendes Urtheil zu fällen. Eins ist sicher zu beachten, nämlichdass das Arbeiten immer lediglich im Interesse der Kranken stattfindenund von diesen als ein Theil der Cur aufgefasst werden muss, und wennes nicht gelingt, ihnen diese Auffassung beizubringen, soll man lieberdavon absehen. Da, dies den Leuten beizubringen, nicht leicht ist, hatman den früher oft angeregten Gedanken neuerdings vielfach als unaus-führbar bei Seite gestellt.

Ausgenommen sind kleinere Arbeiten für den persönlichen Dienst:Ordnen des Bettes (das ohne Federn wenig stäubt) und der Zimmer,Handreichungen beim Tischdecken und der Speisenvertheilung und ähn-liches. Das findet sich in allen Hausordnungen und erregt nur seltendas Missfallen Unverständiger (Bremer Bericht VII. S. 5). Nicht sollhierher gehören das viel Staub aufwirbelnde Reinigen der Kleider undStiefeln, was merkwürdigerweise noch fast überall verlangt wird 1 ), oderdas Reinigen der Wannen nach oder vor dem Bade und ähnliches.

Dass sonstige Beschäftigung der Kranken sehr empfehlenswerth ist,um sie von leichtfertigen Streichen, von der ewigen Kritik der Kostn. s. w. abzulenken und sie körperlich durch dosirte Arbeit Avieder dervollen zuzuführen, ist ja allgemein anerkannt. Schon von Miss Nigthin-gale wurde besonderer Werth darauf gelegt. Gueterbock (Recon-valescentenpflege) rühmt vom Asile St. Eugenie bei Lyon das namentlich,dass die Genesenden nach Maassgabe ihrer Kräfte mit ländlicher Arbeitversehen werden, Michaelis sagt, dass die Ausfüllung der Langeweileeiner der schwierigsten Punkte sei:Auch mit Unterhaltungsspielenlässt sich wenig erzielen". Dies Fragezeichen zu beseitigen, sei einedankbare Preisaufgabe. Und doch zwingen die Verhältnisse eigentlichdazu, die Leute nicht bis zum letzten Tage bummeln zu lassen. Dennwenn der Entlassene am nächsten Tage oder selbst nach 8 bis 14tägigerSchonung wieder von früh bis abends angestrengt schaffen soll, so muss

- 1 ) En stör brist vid sanatoriet (Oderberg) fann jag vara, att man dar hade etts. k. borstrum, dar patienterna själfva skulle borsta sina skodon (Schuhe). Närman vet, att en absolut dammfri luft cär eftersträfVansvärd (erstrebenswerth) vidlungsotssanatorier, synes mig denna sparsamhet vara föga välbetänkt. Berg, Skisser.