Sonderkrankenanstalten und Fürsorge für Lungenkranke. 353
Wärter passt in solche Anstalt nicht, wo es auf peinliche Beachtungscheinbar unbedeutender Dinge ankommt. Die Erfahrung lehrt, das»Krankenwärter leicht ihrer Bequemlichkeit Opfer bringen."
Nam entlich für Schwestern gebildeter Kreise tritt man (s. a. obenSchultzen) ein. „Der Kranke ist auch für moralische Einwirkungen inhohem Grade empfänglich, und wenn sich derartige Einflüsse in richtigerWeise geltend machen, so kann der pflegenden Schwester eine nicht un-wichtige Culturaufgabe zufallen" (Rubner). „Die Pflege Tuberculöserist eine schwierige, aber wenn von richtigen Gesichtspunkten ausgehend,eine lohnende und befriedigende Thätigkeit, der sich freilich am bestenallseitig gebildete Kräfte zuwenden sollten." (Heinzelmann). „Es wirdin Anstalten, in denen die Pflege der Kranken und der ökonomische Be-trieb in den Händen von Mitgliedern geistlicher (?) Krankenpflegerordenliegt, der moralische Einfluss des Arztes auf die Kranken durch diewarme Hingabe der Pflegerinnen an ihren Beruf, durch ihre Ordnungs-liebe und Reinlichkeit wesentlich unterstützt und das Gefühl familiärerBehaglichkeit genährt werden." (v. Ziemssen, Freiluftcur).
Es wird dann von mir a. a. 0. genauer ausgeführt, worin die Thätigkeitder Wärter zu bestehen habe und wie sich dieselbe in den ganzen Orga-nismus richtig einzuordnen habe. Zur Ausbildung rieth ich: „Krankenpflegeim Allgemeinen, den Umgang mit Kranken, den Ton eines Krankenhausesim heimischen oder einem benachbarten grösseren Krankenhause sichanzueignen — die Zeitdauer bestimme der dortige Arzt je nach denEigenschaften des Wärters — und sodann einen Monat in einer Lungen-heilanstalt die speoiell für Lungenkranke in Betracht kommenden Maass-nahmen zu studiren. Die vorhandenen Privat- und Volksheilstättensollten, als der Allgemeinheit dienend, solche „Studenten" gegen Ge-währung freier Station unentgeltlich aufnehmen, um so eine genügendeZahl geeigneter Wärter schaffen zu helfen". In England „trainirt" sichdas Krankenhaus sein von der Pike an dienendes Personal selbst. Wich-tiger noch als die gute Vorbildung ist der Charakter des Wärters. Einschlechter Wärter kann unendlichen Schaden anrichten. Der Wärter sollsich wirklich „berufen" fühlen und seine Thätigkeit als „Beruf" im idealenSinne auffassen. Er muss Liebe zu denen hegen, für die er angestelltwird. Alle.die Anordnungen, welche er zu geben hat, dürfen nicht imUnteroffizierstone geschehen, sondern sollen auch dem AViderstrebendenzeigen, dass nur sein Interesse gefördert werden soll.
Bei aller Lebenslust und Lebensfreudigkeit ist eine gefestigte, ernsteLebensanschauung einem solchen Wärter nöthig. Er bildet ein Mittel-und Bindeglied zwischen Kranken und Arzt, deren beiderseitiges Ver-trauen er geniesst. Er soll nicht Spion und Denunciant sein, aber dochdem Arzte alle Beobachtungen über Unregelmässigkeiten berichten undsich bewusst sein, dass er damit den Kranken nur nützt, auf der andernSeite steht er durch seine sociale Stellung den Kranken näher, als derArzt, sodass sich diese oft vertrauensvoll eher an ihn wenden, als anjenen. Dieses Vertrauen nicht zu missbrauchen, macht sein Amt zu