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1 (1899)
Entstehung
Seite
347
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Sonderkrankenanstalten und Fürsorge für Lungenkranke. 347

ausgegangen wird, dass die letzten Wochen des Cur-Aufenthalts entwederin der Heilstätte selbst oder aber in besonderen Nachcur-Anstalten be-nutzt werden müssen. Die unter der Leitung Ihrer Durchlaucht derPrinzessin Elisabeth zu Hohenlohe thätige Damengruppe des Volks-heilstättenvereins vom Rothen Kreuz ist gegenwärtig betreffs der Heil-stätte am Grabowsee mit bezüglichen Arbeiten beschäftigt." Man wirddie Ergebnisse abwarten müssen.

3. Ein kleiner Nothbehelf ist der von manchen Krankenkassen ein-geführte Begriff der Schonung. Auf ärztlichen ßath hin zahlt dieKasse dem Entlassenen noch 814 Tage Krankengeld, damit er sichnoch kräftige, sagen sie, damit er Stellung finde, wir. 4. GrössereMittel sind es, welche z. B. Blumenfeld vorschlägt, wenn er sagt:Wenn die in Deutschland von Seiten der Invaliditäts- und Alters-versicherungsanstalten in grossem Stile Platz greifenden Bestrebungen zuGunsten, der weniger bemittelten Phthisiker ihrem socialen Zweck undihren höheren humanen Zielen ganz gerecht werden wollen, so werdensie auch den als arbeitsfähig Entlassenen die Möglichkeit gewährenmüssen, in geeigneter Beschäftigung und Lebensführung die wieder er-langte Arbeitsfähigkeit zu erhalten." Ich schlug früher, unter Hinweisauf die Vereinigung zur Fürsorge für kranke Arbeiter in Leipzig dieEinrichtung von grossen Gütern oder hygienisch arbeitenden Fabrik-betrieben durch den Staat oder die Invaliditätsversichcrungsanstalten vor..(Die Gegenwart, 1897, No. 12). Eine neuerdings mehrfach besprocheneIdee ist die Einrichtung von ländlichen Colonien für entlassene Lungen-kranke, wie sie Wolff und Goldschmidt schon früher für Lungenkrankean Stelle der Heilstätten empfahlen. (S. a. Vorwärts, 1897, No. 88.14. April. Vergl. Baumann, Gesundheitscolonien, Bitterfeld, 1893).AVeicker befürwortet die Anstellung entlassener Kranker als Arbeiterin den Sanatorien selbst.Das wird natürlich um so glatter geschehenkönnen, je grösser die Heilanstalt und je mehr Kräfte somit gebraucht.werden" (Sehr. d. Centralst. 12. S. 137)'). Man könnte ja solche Nach-ciu'ler in einer Döcker'schen Baracke wohnen lassen. Pfarrer Weber(ebenda, Seite 140) hält im gleichen Sinne Nachstationen mit Garten-arbeit nach von Bodelschwingh's Muster für geeignet.

Goldschmidt sagt in seinem Vortrag über die Pflichten des Staatesgegen die Tuberculosen, man solle Colonien denen der Irrenanstaltenähnlich bilden.Nicht jeder Schwindsüchtige ist arbeitsunfähig. In derFabrik freilich darf er unter keinen Umständen weiter arbeiten, und diedumpfe Stadtluft ist ihm Gift, und er wird dem Boden, aus dem erNahrung zieht, mit Freuden die neu errungenen Kräfte widmen." DieIdee zur Probe praktisch auszuführen, wäre eine herrliche Aufgabe füreinen unserer, grosse Ländereien besitzenden Magnaten. <

L ) Neuerdings schlägt Weicker (Ueber die Fürsorge für unsere lungenkrankenReconvalescenten [besser wohl:reconvalescenten Lungenkranken". L.]. Deutschemed. Wochenschrift 1898. No. 20) Bildung eigener Vereine dazu vor.