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Zeit freilich nicht all zu viel Vertrauen auf die Menschenfreundlichkeitder Arbeitgeber setzen. Jedenfalls gilt das, was Corvettenkapitän Harmsin Frankfurt sagte, dass der Arbeitgeber sicher den entlassenen Arbeiterso beschäftigen werde, dass die Cur nicht in Frage gestellt wird, zu-mindestens nur von Grossbetrieben, nicht von kleineren Unternehmern,die überhaupt nur wenige Arbeiter einstellen. Es macht sich dahernöthig: 2. ein Arbeitsnachweis. Jede Lungenheilstätte sollte mitgrösseren Arbeitsnachweisstellen in Verbindung stehen oder sich selbsteinen solchen schaffen (Sommerfeld, Therap. Monatshefte 1898. No. 1.Seite 19. Blumenfeld). Durch die namentlich in Vereinsheilstättenbestehende Verbindung mit den Frauenvereinen der Gegend oder mitOrtsgruppen des Vereins selbst müssen rechtzeitig die Fühler ausgestrecktwerden. Die Versicherungsanstalt Hannover hat ausserdem mit eigenenVertrauensmännern und mit den Geistlichen beider Confessionen guteErfahrungen gemacht.
In Stiege (Braunschweiger Inval.-Vers.-Anstalt) besagt § 18 derHausordnung: „Spätestens 3 Wochen vor der Entlassung aus der Heim-stätte hat jeder Pflegling den Hausvorsteher zu bitten, dass dieser angeeigneter Stelle um Arbeit für den zu Entlassenden nachsucht." DasFinden einer Stellung durch die Kranken selbst von der Heilstätte ausist, wie Weicker anschaulich schildert und wie ich oft zu beobachtenGelegenheit hatte, sehr schwer. Noch mehr Schwierigkeiten macht derBerufswechsel. In der Badischen Anilinfabrik stellt man den aus derHeilstätte Dannenfels zurückkommenden Arbeitern grössere Summen zurVerfügung, wenn sie austreten und sich einen andern Beruf suchenwollen: selten wird davon Gebrauch gemacht. Freund sagt darüber:„Einen Berufswechsel für die Arbeiter vorzunehmen, gelingt in denseltensten Fällen. Je mehr die Arbeitstheilung fortschreitet, je einseitigerder Arbeiter ausgebildet ist, um so schwieriger ist es, ihn unterzubringen.Und nun vollends die Beschäftigung in der Landwirthschaft, auf die sooft hingewiesen wird. Hier kommt die entschiedene Abneigung derArbeiter, auf's Land zu gehen, in Betracht, und so wie die Dinge liegen,glaube ich, dass die Versuche, die Leute auf's Land zu bringen, durch-aus fehlschlagen werden. Die Arbeitgeber sind auch nicht geneigt, der-artige Leute zu nehmen. Sie wollen die grossstädtischen Arbeiter nichtauf's Land haben, damit sie, wie die Gutsbesitzer sagen, die ländlicheBevölkerung nicht mit ihren socialdemokratischen Ideen verseuchen."(Schriften der Centralstelle etc. No. 1"2, Seite 122). Allerdings musses ja nicht allemal ein Uebergang zur Landwirthschaft sein! Die Hei I-stätten-Correspondenz schreibt (1898, No. 5) über die Frage des Berufs-wechsels: „Vorbedingung sind für einen derartigen Wechsel der Be-schäftigung gewisse Vorkenntnisse; auch für gärtnerische und landwirt-schaftliche Arbeiten sind solche unerlässlich. Aus diesen Gründen ent-wickeln sich in den Kreisen der Heilstätteninteressenten Bestrebungen,weiche darauf abzielen, im Bedarfsfalle die Pfleglinge frühzeitig auf denetwaigen Berufswechsel hin vorzubereiten, wobei von dem Gedanken