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Gelingt ihm dies alles, erfüllt er diese Bedingungen, dann bedarf'sgar keiner Belehrung mehr über psychische Beeinflussung des Kranken,sie ergiebt sich von selbst.
Ist diese Grundlage nun gelegt, so kann der Arzt mit dem zweitenTheile, der hygienischen Belehrung und Erziehung, beginnen,gesprächsweise beim Untersuchen, beim Rundgange, durch Beantwortungeines Fragekastens, durch Vorträge und Vorlesungen.
Die erste Frage ist die klassische: die cur hie, warum bist du hier?In volkstümlicher Weise ist das Wesen der Tuberculose zu erörtern,wie sie entstand, worin sie besteht. Passende Schriften können zurBelebung zum Verlesen kommen. Die Anatomie und Physiologie derLunge, einiges über Bacillen werden durch selbstangefertigte Wandtafelnerklärt (glücklich die Heilstätte, der man ein Skioptikon schenkte!), dieBegriffe der Disposition und Erblichkeit, der Infection und Ansteckungs-furcht, im Anschlüsse daran die Hustendiseiplin, die Auswurfvernichtungwerden erörtert. Leon-Petit sagt, man könne hier durch Autoritätoder durch Ueberzeugung wirken. Der deutsche Kranke gehorche lieber,der französische werde überzeugt. Das ist ein ebenso überwundenes,einem früheren Standpunkte entsprechendes Vorurtheil, als ein AYortHoffmann's: man müsse alle Verordnungen beim Durchschnittspublicummit einem gewissen Mumpitz — pardon, er sagt Aufputz, versehen.Unser Volk ist arg modern geworden. Ich liess meine Kranken in Oder-berg abstimmen, ob für das Volk kurze, präcise Regeln besser seien(z. B. Rathschläge der Hamburger Medicinalbehörde) oder ausführliche,populäre, erklärende Schriften: fast einstimmig entschied man für letztere.Man will heutzutage wissen „Warum!" „DerSprucb: wer einsieht, will,wer will, muss! ist eine Leuchte, die man nicht aus der Hand legendarf" (Dettweiler). Liegecur, Wassermaassnahmen, Abstinenz vomAlkohol, alles führt jemand eher, lieber und besser aus, wenn er denGrund dafür weiss.
Die Belehrung hat sich aber noch weiter zu erstrecken. Mühsamwird in der Heilstätte der sieche Leib und die angegriffene Seele roparirt,blühend oft verlässt der bleich Eingetretene die Anstalt: aber noch istseine „Cur" nicht beendet, noch ist es nöthig, dass er jahrelang an sichweiter baut, gesundheitsgemäss lebt, um nicht wieder krank und kränkerzu werden, als vordem. Hier hat die Heilstätte wieder einzusetzen undgut zu machen, was mangelhafte Schulbildung und verkehrte Volks-erziehung verschuldet hatte: sie muss den Kranken Belehrung über dasganze grosse Gebiet der persönlichen Hygiene bieten. So sollt ihr leben!steht als Ueberschrift über den weiteren Vorträgen, deren Abhaltung zurPflicht des Heilstättenarztes gehört.
Abermals rümpfen manche Docti die Nase, denn Belehrung erziehtCurpfuscher (vergl. Therapeutische Monatshefte 1897. No. 11. S. 579). Abereine moderne Brise bläst heute diesen Gelehrtenstaub hinweg, grosse Kli-niker voran treten für Belehrung des Volkes ein, und niemand wird diesesRad aufhalten. „Es Avird jedem Staatsbürger zugemuthet, die Reichs-