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1 (1899)
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362
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362 Blaschko,

man den Syphilitischen eigene Sonderfeldhütten machen, in Prag, wo dieKrankheit erst 1494 verbeitet wurde, lagen die Kranken anfangs auf denStrassen, auf dem grossen Ring und unter den grossen Lauben. Spätermussten sie ebenfalls vor die Stadtthore, wo sie sich in kleinen Budenhäuslich einrichteten. Anderswo wusste man sich anders zu helfen. InAVürzburg richtete man die Pestkrankenhäuser für sie ein. In Edinburghwurde durch ein Edict Jakob des IL von Schottland vom 22. September1497 allen Syphilitischen bei Strafe der Brandmarkung befohlen, Edin-burgh augenblicklich zu verlassen und auf Booten, auf welchen sie biszur vollständigen Heilung bleiben sollten, nach Leith zu fahren. Aucherliess man schon in der Erkenntniss, dass die Prostitution bei der Ver-breitung der Krankheit betheiligt sei, in Faenza im Kirchenstaat imJahre 1497 einen Erlass, wonach die Prostituirten gebrandmaikt werdensollten, falls sie sich einem syphilitischen Mann hingaben oder mit derKrankheit behaftet ihrem Gewerbe nachgingen.

Im Allgemeinen aber war die Erkenntniss, dass die Syphilis mitdem ausserehelichen Geschlechtsverkehr zusammenhänge, in jener Zeitnoch wenig verbreitet, und die Krankheit trug dementsprechend in deröffentlichen Schätzung noch nicht jenen Makel, welcher ihr später an-haftete. Konnte doch Hütten noch im Jahre 1519 seinemDe guaiacomediana et morbo gallico" ein Widmungsschreiben an den Erzbischofvon Mainz mit auf den Weg geben, was wohl kaum möglich gewesenwäre, hätte man damals die Syphilis schon als Folge ausschweifendenLebenswandels betrachtet.

Doch das änderte sich bald, als man den wahren Charakter undden Verbreitungsmodus der Erkrankung erkannte. Es bildete sich mitder Zeit, da man begann, die Geschlechtskranken als moralisch ver-worfen zu betrachten, jenes unselige Vertuschungssystem aus, das dazuführte, dass der von einer Geschlechtskrankheit Befallene nicht nur vorder Welt sein Leiden mit aller Sorgfalt zu verbergen suchte, sondernauch den Arzt oft erst in Anspruch nahm, wenn sein Zustand ihm un-erträgliche Beschwerden verursachte. Hier, wie in keinem Gebiete derMedicin entfaltete sich schon früh das Quacksalberthum, das ja vomQuecksilber seinen Namen erhalten hat, zur höchsten Blüthe. Hieltenes doch die zünftigen Aerzte meist für ihrer unwürdig, sich mit der Be-handlung von Geschlechtskranken zu befassen, und nahmen doch dieöffentlichen Krankenhäuser Geschlechtskranke meist nicht in ihren Mauernauf. Einzelne grosse Städte machten hiervon eine Ausnahme. So wurdein Breslau das Krankenhaus zu St. Hiob, in Nürnberg St. Sebastian, inWien das Krankenhaus zu St. Marx eigens für diesen Zweck bestimmt,und auch in Strassburg wurde von Stadt wegen für die Syphilitischengesorgt. Am dortigen Blatternhaus war in der Mitte des 17. Jahr-hunderts Peter Sartorius, einer der bekanntesten Wundärzte jenerZeit alsFrantzosen-Artzt" angestellt. Und die hygienischen Verhält-nisse ebenso wie die Behandlung müssen unter ihm daselbst schon sogute gewesen sein, dass er nach seiner eigenen Angabe in 5 Jahren