3. Sonderkrankenanstalten und Fürsorge fürSyphilitische und Lepröse.
VonDr. A. Blaschko,
Arzt für Hautkrankheiten in Berlin.
(Mit 1 Plan.)
Die Fürsorge für venerische Kranke beginnt für die öffentliche Ge-sundheitspflege Bedeutung anzunehmen erst mit dem Auftreten derSyphilis am Ende des 15. Jahrhunderts. Zwar wusste man schon vor-dem, dass die Ausübung unreinen Beischlafs, insbesondere beim Verkehrmit Prostituirten Krankheiten im Gefolge haben könne; und sowohleine alte Bordellordnung von Avignon aus dem Jahre 1347, wie einGesetz gegen die Prostitution in Zürich vom Jahre 1413, Verordnungendes Raths von Luzern gegen die Prostitution aus den Jahren 1469 bis1572 beweisen, dass man sich schon damals nicht blos darauf beschränkte,an venerischen Krankheiten (Tripper, Ulcus molle etc.) Leidende zu be-handeln, sondern schon durch geeignete prophylaktische Maassnahmengegen die Verbreitung dieser Krankheiten ankämpfen zu können glaubte.
Aber einen grösseren Umfang erreichte die Fürsorge erst, als imJahre 1495 in dem vor Neapel liegenden Heere Karls VIII. die Syphilismit der Gewalt einer furchtbaren Seuche ausbrach und von da sich mitungeheurer Heftigkeit über ganz Europa verbreitete, in wenigen JahrenTausende dahinraffte und andere Zehntausende einem dauernden Siech-thum überlieferte.
Es war vielleicht ein sonderbares Zusammentreffen, dass grade umjene Zeit der Aussatz in Mitteleuropa, nachdem er mehrere Jahrhundertegeherrscht hatte, im Schwinden begriffen war und die zu seiner Be-kämpfung begründeten Lazaruskrankenhäuser eben für Kranke andererArt frei zu werden begannen. Virchow hat in seinen historischenUntersuchungen über die Lepra gezeigt, wie die Aussatzhäuser mit demNachlassen der Lepra allmälig ihren ursprünglichen Charakter verlorenund sich aus ihnen nachher die echten Hospitäler („Lazarethe"), zumTheil die Siechenhäuser entwickelten. Zunächst waren es Syphilitische,welche in die Krankenhäuser kamen. Doch reichte die Zahl der letzterenbei weitem nicht aus, um alle Erkrankten aufzunehmen. In Bern musste
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