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1 (1899)
Entstehung
Seite
339
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Sonderkrankenanstalten, und Fürsorge für Lungenkranke. 339

von Fläschchen zum schnell eintretenden Hustenstosse, zum Räuspern^Niessen (Flügge!), aber auch zum Schnäuzen der Nase, zum Abwischenvon Mund und Bart ein Taschentuch nöthig ist. Selbst wenn man dieBarte kurz schneidet, ist das nicht zu vermeiden, ja, selbst wenn man,wie in Berka, jedem Kranken eine Flasche mit Sublimatwasser in dieTasche steckt, womit er Mund undV.ordertheil des Rockes von Zeit zuZeit desinficiren kann! Daher nannte v. Ziemssen dieses Spuckfläschchenein todtgeborenes Kind, und ich sprach es schon früher als meine An-sicht aus, dass man die Kranken wohl so erziehen könne, dass sie dieUnsitte des Bodenspuckens abthun, das odiöse blaue Fläschchen werdensie aber im ferneren Leben nicht benutzen.

Man hat daher das Taschentuch wieder in Gnaden angenommen.Penzoldt schlagt vor, es täglich zweimal zu wechseln und sofort in3 pOt. Lysol zu werfen, eventuell es zu verbrennen. ' Dazu hat dieGöppinger Papierfabrik hygienische Taschentücher in den Handel ge-bracht, ein weitmaschiger, mit Papiermasse durchsetzter Stoff, 50 Stück50 Pfennige, die man nach dem Gebrauche ins Feuer wirft.

In Brompton giebt man täglich ein neues Tuch, in Heiligenschwendi(ausser den Fläschchen) zweimal wöchentlich. In Ventnor und bei vielen(Driver-Jacobi, Heller, Hohe, neuerdings z. B. Marfan, Revue dela tuberculose 1897, No. 4) wird es als unentbehrlich hingestellt. Frei-lich wird man, wenn man gar keine Flaschen giebt, sondern die Krankenzu richtigem Gebrauche des Tuches erziehen will, entweder das Mit-bringen einer grossen Anzahl von Tüchern verlangen müssen, oder,was sich wohl in Volksheilstätten nöthig machen wird, von der Heil-stätte aus solche aus Papier geben. Der Vorschlag Schubert's.(Monatsrevue f. Balneologie I), die Taschentücher inCarbolblech-büchsen" zu thun und nach dem Gebrauche zu verbrennen, war prak-tisch nicht verwendbar.

Ich möchte nicht unerwähnt lassen, dass ich in der Heilstätte Oder-berg den Kranken einmal alle Vor- und Nachtheile der Spuckflaschen,wie der Taschentücher schilderte und nach achttägiger Bedenkzeit sieabstimmen Hess, ob sie die Einführung dieses oder jenes für die arbei-tenden Klassen für praktischer und angenehmer hielten. Das mich selbstüberraschende Ergebniss war eine fast an Einstimmigkeit grenzendeMajorität für die Spuckflasche.

Wenn man Spuckflaschen anwenden will, so ist dort, wo der Preiskeine Rolle spielt, die Dettweiler'sche die beste. Leider ist sie ziem-lich theuer. Von St. Andreasberg aus wurde daher ein unbequemes ein-faches Fläschchen für Volksheilstätten in den Handel gebracht. MeineBemühungen, dieses praktischer zu gestalten, führten zu einer vonv. Poncet in Berlin zu beziehenden Spuckflasche. Auch Knopf inNew-York hat ein neues Aluminiumfläschchcn herstellen lassen. Ich.habe diese Instrumente neuerdings in einem illustrirten ArtikelZweineue Spuckflaschen für Tuberculose" in der Zeitschrift für Kranken-pflege (1898, No. 4) beschrieben, worauf ich hier verweisen kann..