Sonderkrankenanstalten und Fürsorge für Lungenkranke. 333
Bett. Der Zweck ist energische Reaction; Winternitz bezweckt das-selbe durch grössere mechanische Reize bei höheren Temperaturen.
Ais gewissermaassen symptomatische Behandlung kommen nochFussbäcler (Wechselfussbäder bei den vielen Lungenkranken eigenenSchweiss- und kalten Füssen), Sitzbäder (Analfisteln, Verdauungs-beschwerden) und namentlich die Priessnitz'schen Kreuzbinden oderDunstumschläge (zur Erweichung und Ausstossung käsiger Depots, beizähem Auswurf, gegen Hustenqual), auch als Magen- und Leibumschläge,bei Fieber als Ganz- oder Dreiviertelpackungen angewandt, in geeignetenFällen Hals- und Wadenpackungen.
Auf die Technik kann hier nicht eingegangen werden — leider lerntsie der Medianer bisher auf der Hochschule noch nicht, mit Ausnahmevon Wien und Heidelberg (im Preussischen Abgeordnetenhause hat am10. März d. J. Gcheimrath Althoff die Errichtung von Lehrstühlen derHydrotherapie [warum nicht überhaupt der physikalischen Therapie, ein-schliesslich Krankenpflege] zugesagt). (Blätter f. klin. Hydrotherapie1898. ISTo. 3. S. 62). — Vorgenommen werden diese Maassnahmen imWasch- oder Baderaum oder im Schlafzimmer, je nach örtlichen Verhält-nissen. Schwimmen wird man etwa in gleichem Maasse gestatten dürfen,wie Wintersport (s. ob.), doch ist vor Kopfsprung zu warnen.
■22. Kleidung.
Wenn die Theoretiker fragen, welche Kleidung wir Lungenkrankenin den Heilstätten empfehlen sollen, so wird uns von allen Seiten dieWolle genannt (vergl. z. B. Goldschmidt, Die Kleidung der Krankenund ihre Bedeutung in der Krankenpflege. Zeitschr. f. Krankenpflege1897. No. 12. S. 290). Penzoldt u. a. empfehlen diese daher auchals den am meisten bewährten Stoff. Andere, und namentlich Praktiker,sind anderer Meinung, z. B. sagt Schnyder in seinem Rathgeber, dassmit warmen Unterkleidern, die Schweiss und dann Erkältung hervor-rufen, viel Missbrauch getrieben wird. Ich kann meine, den Geruchs-sinn oft beleidigenden Erfahrungen nicht besser als mit Meissen'sWorten ausdrücken: „Eine bestimmte, allgemeingiltige Regel lässt sichnicht angeben; auch die Frage der Bekleidung enthält ein individuellesMoment. Wer Wolle wählt, ist nicht immer weise. Liren Vortheilenstehen ebenso schwere Missstände entgegen, die Schwierigkeit der Reini-gung, das leichte Verfilzen. Man muss eine sehr grosse Auswahl anwollenen Sachen haben und sich entschliessen, dieselben nur chemischwaschen zu lassen. Da das recht kostspielig und umständlich ist (Volks-heilstätten!), so kann man oft genug Unglaubliches von der Wolle sehen;sie wird leicht das schiechteste Unterzeug, so dass ihr Baumwolle oderLeinen oder gemischte Stoffe weit vorzuziehen sind". Wir lassen z. Z.noch alle Lungenkranken in Wolle verpackt in die Heilstätte kommen,die leichteren Fälle der Volksheilstätten namentlich werden im Laufedex abhärtenden Wasserbehandlung ein Vertauschen derselben mit anderen