332 G. Liebe,
tigen und eine Restitutio ad integrum herbeizuführen, oder wenigstensdie Abgrenzung, den Zerfall, die Ausstossung des Krankhaften anzubahnen.Diesen natürlichen Heilungsvorgang scheint nun die Hydrotherapie wesent-lich zu fördern, indem sie es ermöglicht, collaterale Hyperämie, activeFluxion, Erleichterung des Blutabflusses und veränderte Diffusionsv'orgängein den erkrankten Organen und dem erkrankten Organismus hervor-zurufen". So ungefähr lehrt Winternitz. Der Einfluss, welchen dieHydrotherapie auf den Körper hat, ist ein so ungeheurer, dass eine ArtImmunität gegen die Infection entsteht, weshalb er das Wasser „dasSerum des Hydropathen" nennt.
In der Praxis beginnt man nach Dettweiler mit trockenen Ab-reibungen, eventuell sogar im Bett, dann mit Wasser und Spiritus zugleichen Theilen, bis man, letzteren vermindernd, auf Wasser von8—14° C. kommt und hier wieder, das Tuch mehr weniger auswindendvorwärts geht. In Volksheilstätten kann man, mit Ausnahmen wenigerFälle, die dann meist überhaupt nicht dahin gehören, mit der feuchtenAbreibung beginnen, denn die Kranken sind dort leicht krank und nochgut widerstandsfähig, haben nicht soviel Curzeit zur Verfügung und sindzum Theil durch irgend welche „Naturheilmethode" schon an das kalteWasser gewöhnt, namentlich wenn sie aus Städten kommen.
Ein kräftiger eingreifendes Mittel ist die Brause oder meist Douchegenannt, welche nach Hegiin (Zeitschr. f. klin. Med. Bd. XXVI. S. 42)namentlich die Hebung der Herzthätigkeit bezweckt. Voll and erklärtsich vollständig gegen sie, sowohl weil man davon einen Schnupfenbekommen könne, als auch in Oonsecpenz über die Schädlichkeit desTiefathmens. Indessen steht er damit ziemlich allein. Wenn man gutauswählt — Blumenfeld bezeichnet als Contraindicationen Fieber,Anaemie, Nachtschweiss, activ zerfallende oder chronisch-pneumonischeHerde, Neigung zu Blutungen, Herzklappenfehler, Herzschwäche, nach-folgend Herzklopfen, Erregung, Schlaflosigkeit —, vorsichtig beginnt,anfangs 5, dann 10, endlich 15 bis höchstens 20 Sekunden, und dieDouche selbst giebt oder wenigstens in seiner Gegenwart geben lässt,so schrumpfen ihre etwaigen Nachtheile zusammen. Die Kranken, zumalin Volksheilstätten, haben sie gern und ziehen sie den Abreibungen vor.
Temperirte Douchen könnten in einzelnen Fällen nach Winternitz(s. ob.) angebracht sein, doch wählt man dann lieber die Abreibung.Man kann sie darum entbehren (Ruppertshain und Oderberg haben z. B.nur kalte Douche), von Nutzen kann eine temperirbare Fächerdouche sein.
Originell sind die Eiswasseranwendungen Aberg's (s. Blätter fürklin. Hydrotherapie 1896. No. 5), für deren Anwendung auch Winter-nitz lebhaft eintritt. Aberg unterscheidet drei Grade: 1. Waschungenvon Nacken, Rücken, Gesicht, Brust mit Eiswasser, Schwamm anfangsmehr, später weniger ausgedrückt; 2. Abgiessen derselben Theile mitder Giesskanne, ebenfalls mit Wasser von 0 °; 3. kurzes, einen Momentdauerndes Vollbad, den Kopf untergetaucht, von 7—13 °. Nach allenAnwendungen gutes Trockenreiben, Reaction durch Bewegung oder im