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sollten, auf das Schwerste aus ganz falsch verstandener und unberech-tigter Humanität." (Koeniger).
Zu verkennen ist ja nicht, dass die Frühdiagnose der Tuberculosein grossem Maassstabe ihre Schwierigkeiten hat, da man die Leute nichtzur Untersuchung bekommt. Dem könnte durch mancherlei Maassnahmenabgeholfen werden. Zuerst durch die Führung von Gesundheitsbüchern.Beim Eintritt in die Schule wird ein Gesundheitsbuch nach vor-geschriebenem Formular verlangt ■— so gut wie der Impfschein —,in welchem die Hereditätsverhältnisse, Kinderkrankheiten, Angabenüber Scrophulose, Rhachitis, Charakter, besondere Erlebnisse ein-getragen sind. Der Lehrer überwacht, dass jede Erkrankung im Laufeder Schulzeit in dem Büchlein nachgetragen wird. Dasselbe hat in derLehr- und Gesellenzeit, auf der höheren und Hochschule, in allen öffent-lichen Verhältnissen stattzufinden. Der Soldat muss sein Gesundheits-buch beibringen, der Arbeiter, wenn er Anstellung haben will, der Beamteebenso; bei Eheschliessungen, bei Anmeldungen von Geburten und Todes-fällen ist es vorzulegen. Dadurch würde eine grosse Volksanamnesegeschaffen; das Volk würde sich nach einiger Zeit des Raisonnirens andiese Einrichtung gewöhnen, wie an andere. Ferner müssten durch dieSanitätsbeamten — die man doch endlich, wie Juristen u. a., so stellenmöge, dass sie nicht des täglichen Brodes wegen noch Praxis treibenmüssen — öfters Massen-Lungenuntersuchungen vorgenommen werden.Alle 5 Jahre hätte jeder Physikus sämmtlichen Arbeitern seines Bezirkeseinmal die Lungen abzuhorchen; die Soldaten, die Schüler und Schüler-innen, Dienstboten u. s. w. müssten alle und nicht nur einmal im Lebenuntersucht werden. Dann erst werden Zählkarten, wie sie in Berlinjetzt eingeführt werden, eine wirkliche Uebersicht über die Tuberculosegeben. (Arbeiteruntersuchungen verlangte Finkler zur Naturforscher-Versammlung in Braunschweig.)
In England, ist mit den Krankenhäusern für Brustkranke meist einePoliklinik zur ambulanten Behandlung verbunden. Davon wird bei unsmeist abgerathen, man soll bei den Leuten gar nicht die Ueberzeugungaufkommen lassen, als wäre es möglich, die Tuberculose ambulant zubehandeln. Aber in anderem Sinne möchte ich nicht nur mit jederHeilstätte eine Poliklinik verbunden, sondern in jeder Stadt eine solcheeingerichtet wissen, dass sich nämlich dort jeder untersuchen lassenkann, ob er lungengesund ist, „Sprechstunden für Arbeiter", wie Finklervorschlägt. Es soll keine therapeutische Einrichtung sein, welche Ex-pectorantien verschreibt, sondern erstens eine diagnostische Anstalt (kannja mit Sputumuntersuchung verbunden sein) und zweitens eine berathendefür solche, welche als tuberculös erkannt werden, wie sie sich heilenkönnen, wie sie den Antrag bei ihrer Versicherungsanstalt zu stellenhaben und dergl., aber auch für Gesunde, wie sie die Tuberculose ver-hüten, ihre Wohnung, ihre Lebensweise vernünftiger gestalten können.Zur Behandlung sind die Leute an ihren Arzt zu verweisen.
Die Versicherungsanstalten thun ja jetzt schon viel, um die Früh-