Druckschrift 
1 (1899)
Entstehung
Seite
264
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264 G. Liebe,

mit zunächst geringem Erfolg, durch die Anstaltsbehandlung auf dierechte Bahn zur Gesundung geleitet werden und somit ihre Heilung derAnstalt verdanken". Brehmer, Dettweiler, Kaatzer, Meissen(zusammengestellt bei Spiegel) verhalten sich ebenso reservirt; manwird wohl am besten thun, Volland's Modus anzunehmen: „EinenPhthisiker mit dem Prädikat „geheilt" von hier zu entlassen, das ge-schieht von mir principiell nicht. Denn ich halte nur den für geheilt,der mindestens 5 Jahre ohne Rückfall und ohne verminderte Arbeitskraftzu Hause wieder in seinem Berufe thätig gewesen ist". (TherapeutischeMonatshefte. 1897. No. 6.)

Wie steht es aber mit Volksheilstätten, in denen die Kranken etwaein Vierteljahr, keinesfalls aber monatelang darüber hinaus bleibensollen? Die Kranken sollen hier ..angeheilt" werden. Dieser triviale,aber treffende Ausdruck besagt, dass durch Entfernung der Deute ausschlechten und Ueberführen in gute Verhältnisse der Körper einmal „auf-gerappelt" werden, seine Widerstandsfähigkeit erhöht, das überanstrengteund erschlaffte Gummiband der Elasticität durch geeignete Regenerations-verfahren wieder stramm gemacht werden soll. Während das geschieht,wird erzieherisch auf sie eingewirkt, um ihnen zweckmässige hygienischeLehren so in Fleisch und Blut übergehen zu lassen, dass sie nach derEntlassung deren weitere Befolgung für selbstverständlich halten. Manwird sie also nur bis zu einem gewissen, je nach dem einzelnen Falleschwankenden Grade von Besserung, natürlich immer bis zur Erwerbs-fähigkeit bringen müssen, und es lässt sich für den einzelnen, wie fürdie Gesammtheit davon schon bedeutender Nutzen erwarten. Kurz, manwird sich mit einer Heilung im Sinne der Versicherungsanstalten be-gnügen müssen, als welche „nicht bloss die völlige Beseitigung jederSpur der Erkrankung zu betrachten ist, sondern auch ein solcher Gradder Besserung, dass die bereits vorhandene Erwerbsunfähigkeit dauerndoder wenigstens für eine längere Reihe von Jahren beseitigt oder dienoch vorhandene, aber bedroht gewesene Erwerbsfähigkeit dauernd be-wahrt wird." (Gebhard).

Specielle Erfolge werden, wenn man den einzelnen Berichten nach-geht, in ganz unglaublichem Maasse erzielt. Gewiss hat aber PfeifferRecht, wenn er sagt: „Die bisher erzielten Erfolge in Bezug auf Wieder-herstellung der Arbeitsfähigkeit, sind noch geringe, sobald man andereErfahrungen zusammenstellt, als die der betheiligten Anstaltsärzte",wenn man nur in dem Satze sagt: dauernde Wiederherstellung. Woeigentlich jeder Fall anders ist und seine Eigenarten hat, ist eineschematische Einordnung nach Censuren ungemein schwierig, und eben-soviel wie der Ourerfolg wird es wiegen, ob der Entlassene in gute oderschlechte hygienische Verhältnisse kommt, welchen Beruf er ergreift, ober weiter schnapst u. v. a. m. Dazu kommt erstens, dass eine all-gemein gültige „Eintheilung" noch nicht angenommen ist. In der Heil-stätte Oderberg werden drei Censuren gegeben, der Lnngenbefund mit