Sonderkrankenanstalten und Fürsorge für Lungenkranke. 263
Unterbringung Kranker oder der Aufwartung bedürfender Kinder der Muttereinen Verdienst zu ermöglichen. Gerade hier ist der Initiative des Hilfe-spendenden ein grosser Spielraum gelassen". (Schultzen). In Frank-furt a. M. stellt der Hauspfiegeverein bei Erkrankung von Hausfrauenältere, vom Verein bezahlte Frauen zur Führung des Haushaltes zurVerfügung. Das Eine ist bei all diesen Massnahmen zu bedenken, sieverlieren um so mehr an Werth, je mehr sie sich dem Almosen nähern,und gewinnen, je mehr sie dem zu Versorgenden nur die Möglichkeitschaffen, aus eigener Kraft vorwärts zu kommen.
Leon-Petit schlägt für Frankreich eine Oaisse de secours mutuelscentrale en faveur des phthisiemes vor, ohne welche die Unterbringung-Lungenkranker ganz unvollkommen sei. (La revue philanthropique.10. Sept. 1897.)
Sehr nachahmenswerth ist eine von der Versicherungsanstalt Olden-burg eingeführte Einrichtung. Regierungsrath Düttmann berichtetedarüber in Frankfurt: „Wir schreiben nach der Aufnahme an die Ange-hörigen des Kranken, dass Niemand mehr zu seiner Heilung beitragenkönne als sie, wenn sie ihn während der Cur in Ruhe lassen und sichnicht direkt an ihn, sondern an den Vertrauensmann oder den Geist-lichen wenden. Damit haben wir gute Erfahrungen gemacht. Von gutemErfolge wäre auch eine Mitwirkung der Frauenvereine, die die Sachenicht so sehr peeuniär als moralisch unterstützen könnten". Letzteressoll in der Heilstätte Loslau so gehandhabt werden. In dem Anschreibenan diese Vereine heisst es: „Die betr. Familien bitten wir gütigst zuveranlassen, dass sie in den an die Kranken gerichteten Briefen im In-teresse eines guten Erfolges der Cur jegliches Klagen und alles Bittenund Fragen nach baldiger Rückkehr vermeiden, vielmehr die Krankentrösten und zu geduldigem Ausharren ermuthigen".
4. Erfolge.
Ueber die Erfolge reden zu wollen, welche wir von den Heilstättenerwarten dürfen, ist ein schwieriges Stück. Dass die Tuberculose heil-bar ist, haben wir schon erörtert. Während die meisten der oben ge-nannten „Renommirfälle" nunmehr doch scheiden mussten, erfreut sichAltmeister Dettweiler des besten Wohlbefindens und dient sich undanderen als bester Beweis der Güte des Systems. Er konnte auchüber 72 Fälle jahrelanger Heilungen berichten, ebenso Wolff-Saug-mann (146 Fälle), Spiegel (40 Fälle), Königer, Kurlow u. a.Solche Erfolge sind in Privatanstalten zu erzielen, wo die Krankenwomöglich jahrelang bleiben können. Trotzdem sprechen sich auchAnstaltsärzte sehr zurückhaltend über den Begriff „Heilung" aus.Wolff schreibt in seinem Anstaltsberichte für 1896, die Erfahrunglehre, „dass zwar viele der scheinbar Geheilten nach kurzer Zeitwieder erkrankten, dass aber zahlreiche Kranke, darunter manche
Handbuch der Krankenversorgung u. Krankenpflege. I. Bd. Jg