Sonderkrankenanstalten und Fürsorge für Lungenkranke. 253
-wie sie auf einem anderen Gebiete sich bereits entwickelt hat, auf demGebiete der Sorge für den Bau gesunder und billiger Arbeiterwohnungen".(Schriften der Centralstelle, No. 12 Seite 106).
Als weiterer Ausgangspunkt für Volksheilstätten sind die Communal-,Kreis- und ähnliche. Verbände zu betrachten. Von städtischen Heil-anstalten sind zu nennen diejenigen der Stadt Berlin in Malchow undBlaukenfelde (Männer und Frauen), ferner die im Bau begriffene derStadt München, die in Hamburg geplante und in gewissem Sinne die zuHanau vorbereitete. Bedauerlicherweise wurde die von OberbürgermeisterKüchler im Odenwalde geplante Heilstätte der Stadt Worms nicht aus-geführt. In Sachsen haben, namentlich im Anschlüsse an das Regierungs-jubiläum des Königs, viele Stadtvertretungen namhafte Beträge für dieHeilstätte Albertsberg bewilligt. Ein Beispiel einer Kreisheilstätte, bis-her das einzige, ist die vom Kreise Altena errichtete, wo auf erste An-regung des „Kreisvereins vom Rothen Kreuze" 300000 Mk. bewilligtwurden. Landrath Dr. Heydweiller sagt darüber (Schriften der Cen-tralstelle, No. 12 Seite 120): „Es giebt keine bessere Capitalanlage fürden Communalverband. Rechnet man, dass von je 2 Kranken einerdurch die rechtzeitige Anstaltsbehandlung für nur 3 Jahre wieder erwerbs-fähig wird, so würden bei 100 Betten und einer durchschnittlichen Cur-dauer von 3 Monaten von den 400 im Laufe des Jahres aufgenommenenKranken 200 für die Berechnung des wirthschaftlichen Nutzens in Fragekommen. Bei einem Jahresarbeitsverdienst von 900 Mk. würden180000 Mk. Gesammt-Jahresarbeitsverdienst der Volkswirtschaft desKreises durch die Heilstätte erhalten bleiben. Davon gehen ab dieUnterhaltungskosten der 400 Kranken mit 90x3x400= 108000 Mk.weniger 90x1x400 = 36000 Mk., bleiben 72000 Mk., wobei derTagesverpfiegsatz mit 3 Mk. berechnet und davon 1 Mk., welche min-destens auch zu Hause aufzuwenden gewesen wäre, abgezogen ist, undes bleibt ein volkswirthschaftlicher Ueberschuss von jährlich 108000 Mk."Der Staat selbst betheiligt sich ebenfalls mancherorts; so bewilligtedie Regierung in Baden einen Beitrag zum Bau der Heilstätte Marzell,in Sachsen das Ministerium einen jährlichen Beitrag für seine Beamten.Die Reichssanitätsbehörde, das Kaiserliche Gesundheitsamt, arbeitet that-kräftig mit durch Wort und Schrift, und die Uebernahme des Protec-torats über das Deutsche Centraleomite für Volksheilstätten durch IhreMajestät die Kaiserin ist ein Zeichen des Interesses und des Wohlwollens,welches von höchster Stelle aus der Bewegung entgegengebracht wird.
Im Preussischen Landtage wurde die Umwandlung der vielen kleinen,dem Staate gehörigen, dabei aber schlecht rentirenden Bäder zu Volks-heilstätten, eventuell durch Ueberlassung an Heilstättenvereine vorge-schlagen. Das Preussische Ministerium hat einen die xVngelegenheitbefürwortenden Erlass ergehen lassen, auf welchen energisch namentlichder Regierungspräsident in Oppeln aufmerksam gemacht hat. Aehnlicheswird aus Ungarn berichtet. Erwähnt möge hier sein, dass auf meine Bittehin sowohl Se. Eminenz Fürstbischof Cardinal Kopp, als auch das evan-