Druckschrift 
1 (1899)
Entstehung
Seite
252
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252 G. Liebe,

A 7 ereine, jeder in anderer Fassung, den Interessen des Empfängers an-gepasst. Wenngleich die Aerzte, wie sie oft entgegnen, schon viel Arbeitauf diesem Gebiete leisten, die ihnen nie anders als durch ein Vergelt'sGott bezahlt wird, ja oft nicht einmal durch ein solches, so ist es dochihre Pflicht, auch ausserdem an die Spitze der Bewegung zu treten. DerJahresbeitrag darf wohl keinen abschrecken; es ist, wenn überhaupt,ein Opfer, das dem Stande zu bringen ist. Auf den Arzt ihres Ver-trauens blicken viele, geht er voran, so folgen sie. Möchte die auf der69. A 7 ersammlung deutscher Naturforscher und Aerzte in Braunschweigin ihren ersten Anfängen gegründete wissenschaftliche Vereinigung zurBekämpfung der Tuberculose auch hierin Säumige mit fortreissen. DieGeistlichen ferner und die Lehrer können bei geschicktem Vorgehengrösstenteils gewonnen werden, namentlich zur Mitarbeit, um das Volkaufzuklären. Eine Fürsprache des Seelsorgers, ein kurzer erklärenderVortrag auf den jetzt üblichen Familien- oder Volksunterhaltungsabendenhilft thätig mit. Endlich die Frauen, die geborenen Samariterinnen.Ihnen käme meist die Fürsorge für die Angehörigen zu, worauf wir nochzu sprechen kommen. Dass der Adel, Grossindustrielle und Grossgrund-besitzer, Arbeiter-, Bürger-, Turn- und ähnliche Vereine aufgefordertwerden, darf nicht vergessen werden. Die Vereine müssen sich nurhüten, die Beiträge zu hoch zu setzen, mehr wie 3 oder 2 Mark solltenirgends zu zahlen sein, wo man auf den Beitritt weiter Kreise rechnet.(Näheres Hygienische Rundschau 1895, No. 17.) Der Würzburger Vereinhat in praktischer Weise Arbeitstheilung eingeführt und 4 Commissionengeschaffen, deren eine Mitglieder wirbt, die andere öffentliche Veran-staltungen für ihren Zweck betreibt, die dritte sich um staatliche u. a.Zuschüsse bewirbt, die vierte möglichst unentgeltlich das Inventar beschafft.Eine eigene Art der Gelderbeschaffung schlägt Leon-Petit für Frank-reich vor; sie soll auch in Dänemark eingeführt werden. Eine Sana-torienactiengesellschaft soll eine bei dem Mangel an Heilstätten gewissrentirende Anstalt für Zahlende bauen, welche eine Volksheilstättemit unterhalten soll. Leon-Petit berechnet die Einnahmen aus derPrivatanstalt auf 547 000 Fr. (täglich 15 Fr.), aus der Volksheilstätteauf 73000 Fr. (täglich 2 Fr.), zusammen 620000 Fr., die Ausgabenauf 300000 und 100000 Fr., Zinsen 37 500 Fr., Amortisation für1250000 Fr. von 62 500 Fr., zusammen 500000 Fr., so dass die glück-lichen Actionäre noch 10 pCt. Dividende bekämen. In Dänemark wälldie Gesellschaft, welcher ein Viertel sämmtlicher Aerzte angehört, einMuttersanatorium für 360000 Kronen (davon 100000 Kr. Staatszuschuss)bauen. Das Capital wird höchstens mit 4 pCt. verzinst, der Rest fürVolksheilstätten verwendet.

Der zweite Referent über unsere Frage zur Conferenz der Central-stelle für Arbeiterwohlfahrt in Frankfurt a. M., Landesrath Liebrecht,sagt von den (nicht der Versicherungspflicht unterliegenden) Kranken:Hier müsste die genossenschaftlich organisirte Thätigkeit der ver-schiedensten Interessengruppen einsetzen, eine Selbsthülfe sich entwickeln,