Sondevkrankenanstalten und Fürsorge für Lungenkranke. . 251
Hamburg, Hanau, Hannover, Heilbronn, Hessen, Kassel, Köln, Leipzig,Mittelschlesien, Nürnberg, Oldenburg, Pfalz, Regensburg, Saarbrücken,Stettin, Strassburg, Stuttgart, Wiesbaden, Würzburg und von den Inva-liditätsversicherungsanstalten zu Berlin, Brandenburg, Lübeck, Hessen).
Dies führt naturgemäss zu der Frage, wer solche Heil-stätten bauen solle. Die ersten Anfänge der Volksheilstätten ent-standen unter der Aegide von wohlthätigen Vereinen. Ihnen wird, wiees jetzt scheint, auch fürderhin der Löwenantheil der Thätigkeit zu-kommen. Die Vereinsthätigkeit ist, wie v. Ziemssen auf der Stutt-garter Versammlung des Deutschen Vereins für öffentliche Gesundheits-pflege aussprach, ein Ferment, welches die Ueberzeugung von der Noth-wendigkeit des Vorgehens ungemein rasch in das Bewusstsein des Volkeshineintrage und unzweifelhaft auch die Aufmerksamkeit der Behördenerregen werde, was sich denn auch für München erfüllte. Männer,welche die ganze Bewegung überblicken können, erklärten das Gleicheals ihre Meinung, so z. B. Fiedler und Hägler (angeführt HygienischeRundschau 1895, No. 17). Es entspräche deutschem Wesen wenig,Nächstenliebe vom Staate bethätigen zu lassen. Obwohl solche Vereine(s. ob.) bereits an vielen deutschen Orten bestehen, so haben wir dochzu arbeiten, um uns von Ländern wie England und Amerika nichtbeschämen zu lassen, welche alle Krankenhäuser mitsammt den klinischenLehrinstituten aus Privatmitteln bauen und unterhalten, oder von derSchweiz, in welcher fast jeder Canton eine Heilstätte baut oder plant.
Mit der Gründung eines Vereins allein ist es indessen noch nichtabgethan; mancher besteht schon lange und nennt noch keine Heilstättesein. Es gehört eine ganz umfassende, bis ins kleinste gehende Agita-tion dazu. „Sollen solche Vereine einen weiteren gedeihlichen Fortgangnehmen, sagt Gueterbock, so müssen sie sich vor allen Dingen ver-allgemeinern, denn hierauf kommt es in der That noch mehr an, alsauf eine Steigerung der Einzelleistungen, welche vor der Hand gegen-über dem in anderen Staaten Gebräuchlichen sich wohl noch recht langeauf einem nur bescheidenen Niveau bei uns halten werden". Man kann,führt er weiter aus, dieser Bewegung „den Vorwurf nicht ersparen, dasssie ihre Ziele zu sehr mit Ausschluss der Oeffentlichkeit verfolgt". Dasist sehr richtig. Warum setzt der „Ausrufer" auf Jahrmärkten seineWaare besser ab, als der solide Kaufmann? Warum zählt die politischePartei jederzeit die meisten Anhänger, welche die Lärmtrommel amlautesten zu rühren versteht? Heutzutage muss man agitiren, wennman etwas erreichen will, ob das Füchse für eine Verbindung, Abnehmerfür Lotterieloose oder Mitglieder für ein volksfreundliches Unternehmensind. Dass sich ein positiver Erfolg erreichen lassen kann, glaube ichin Sachsen bewiesen zu haben, wo mir vom Vereine die Leitung einerüber das ganze Land sich erstreckenden Agitation, wie der dritte Berichtsagt, mit recht erfreulichem Erfolge, übertragen wurde, ebenso neuer-dings in Schlesien. Freilich Arbeit fordert dies nicht zu wenig; da sindVorträge zu halten, Aufrufe zu erlassen an einzelne, .an Behörden, an