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1 (1899)
Entstehung
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250
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250 G. Liebe,

2. Die Errichtung von Volksheilstätten.

Lungenkrank zu sein, war aber lange Zeit eine kostspielige Eigen-schaft, und volksfreundliche Aerzte mussten immer wieder mit Wehmuthsehen, wie gerade in den Kreisen, welche nicht in teuere Sanatoriengehen konnten, die Tuberculose massenhafte Opfer forderte. Die Tuber-culose ist die Schwester der Armut, sagt v. Schrötter. Angaben,wie sie Sommerfeldt in seiner Arbeit über die Schwindsucht derArbeiter macht (daselbst auch weitere Literatur), sollten vielen dieAugen öffnen. Wer das Elend, das die Tuberculose unter dem ärmerenTheile unseres Volkes anrichtet, selbst mit ansehen muss, wie Aerzteund Geistliche, wer die hohlen Augen, die hungernden, frierenden Kinder,die zum Zusammenbrechen matten, abgehetzten Weiber anders als ausRomanen oder Zeitungen kennt, wer der nackten, ungeschminktenNothdes vierten Standes" gegenüberstand, der weiss es, warum sich so vielFäuste gegen jeden ballen, der auf Gummirädern fährt, warum jederneubewilligte Bau, jedes Fest eine Menge Flüche entfesselt. Wenn wiran das Gebot, das demVornehmsten und Höchsten" gleich ist,Liebedeinen Nächsten als dich selbst", mehr dächten, da würden wir ausmanchem Gange gegen die Tuberculose als Sieger hervorgehen. Es istgar kein Zweifel, dass mit einer energischen Bekämpfung der Tuber-culose (und des Alkoholismus) die sociale Frage ihrerLösung" eingut Theil näher käme. Ist es doch eine bewiesene Thatsache, dass diemeisten der Tuberculose zum Opfer fallenden Kranken in den besten,schaffensreichsten Jahren stehen. Unddie bürgerliche Gesellschaftrechnet besser, wenn sie einen Vater am Leben erhält, als wenn sieseine Waisen versorgt". (Sonderegger.)

Der Stein ist im Rollen, und er wird weder durch Bedenken einerKöi'perschaft, wie sie die Berliner Gemeindevertretung darstellt (dasRothe Kreuz 1897. No. 22), noch durch solche eines einzelnen: wasetwa aus den grossen Anstaltsgebäuden werden sollte, wenn manein-mal" zu einer anderen Therapie übergehend sie nicht mehr brauche(Thomas), aufgehalten werden. Ich habe die Bewegung für Volksheil-stätten von ihrem Anfange an anderweit genugsam geschildert (Hygie-nische Rundschau 1895 No. 17, 1896 No. 13, 14, 16, 1897 No. 21),so dass ich mich hier auf die Mittheilung beschränken darf, dass inDeutschland im Betriebe 16 Volksheilstätten sind (Grabowsee, Rupperts-hain, Albertsberg, Oderberg, Loslau, Sülzhayn, Stiege, Berka, Rehburg,Dannenfels, Arien, Königsberg, Lippspringe Jobanniterhospiz und Bar-mener Haus, Malchow und Blankenfelde), wozu noch das Dr. Weicker-sche Krankenheim (Villenkolonie) und die zweite Oiasse in der Brehmer-schen Anstalt, in Schömberg, Laubbach und Altenbrak kommen, dassferner 7 Volksheilstätten sich im Bau befinden (Hellersen, Felixstift-St. Andreasberg, Beizig, München 2, Marzell, Zellerfeld), während 30geplant werden (Altona, Bayern, Danzig, Düsseldorf, Fürth, Hagen, Halle,