Druckschrift 
1 (1899)
Entstehung
Seite
249
Einzelbild herunterladen
 

Sonderkrankenanstalten und Fürsorge für Lungenkranke. 249

das ganze Lebensgliick einer Frau und vieler kleiner, unerzogener Kinderhängt" (Lebert). Ein neuer Zweig der Heilstättenbewegung, die Er-richtung vonHaussanatorien", ist daher nur mit gewissen Ein-schränkungen zu billigen. Unterberger hat in seinem Militärhospitalezu Zarskoje-Selo bei St. Petersburg eine solche Abtheilung für Tuber-culöse mit gutem Erfolge errichtet (die Ausstattung der Schlafzimmermit Tannenbäumen in Kübeln ist wohl mehr pro forma zu denken).Wer auch nur einmal in ein mit Lungenkranken belegtes Zimmer eineskleinen, schlecht gelüfteten Krankenhauses eintrat (und man kann solcheöfter finden als man denkt!), wird solche Sonderstationen mit Liegehalleu. s. w. freudig begrüssen. Aber sie werden keinesfalls die Heilstättenersetzen; sie sind aus dem oben angeführten Grunde mangelnderpsychischer Beeinflussung auch gar nicht mit den englischen nur fürLungenkranke dienenden Hospitälern zu vergleichen, was Unterbergerthut; sie werden, wozu sie namentlich Schaper empfiehlt, nur alsVorstation zur Auswahl der Kranken und zur Aufnahme für, wirwollen nicht einmal sagen: Unheilbare, sondern nur für alle die Fälle,welche bei der heute noch erforderlichen strengen Auswahl nicht in dieHeilstätten aufgenommen werden können, dienen. (Schaper, Ueber dieNothwendigkeit der Einrichtung besonderer Abtheilungen für Lungen-kranke in grösseren Krankenhäusern. Berliner klinische Wochenschrift1898. No. 8. Derselbe, Ueber Krankenhaussanatorien. Zeitschrift fürKrankenpflege 1898. No. 4. Vergl. Babes, Zeitschrift für Kranken-pflege 1894. S. 185.)

Die gegen die Krankenhausbehandlung erhobenen Bedenken sindaber nicht etwa theoretisch construirt, sondern erfahrene Krankenhaus-leiter haben sich öfter mit scharfen Worten in diesem Sinne ausge-sprochen, so ausser Lebert auch Hermann Weber, Gerhardt, Fin-kelnburg u. a. Schon 1878 machte Trelat in einem Vortrage in derSorbonne in Paris darauf aufmerksam, dass ein Kranker im Kranken-hause 5,13 Fr. für den Tag koste, während man ihn in der von ihmfür Cannes vorgeschlagenen Heilstätte mit 4,32 Fr. unterhalten könne.1893 beschloss der französische Congress zum Studium der Tuberculose,dass alle Tuberculosen innerhalb besonderer Hospitäler, je nach demGrade ihrer Krankheit in Gruppen geordnet, verpflegt werden sollten.

Brehmer's Ideen brachen sich, durch solche Erwägungen unter-stützt, ailmälig Bahn. Seiner Anstalt schlössen sich andere an in ßei-boldsgrün, Falkenstein, in Görbersdorf selbst (Roempler's und dieGräfin ekler'sehe Anstalt), ferner Hohenhonnef, Rehburg (Michaelisund Lehrke), St. Blasien, Schömberg, Altenbrak, Nordrach, und inanderen Ländern Davos (Turban), Leysin, Arosa, Canigou (Pyrrhenäen),Touraine (Frankreich), Tonsaasen (Norwegen), Neu Schmecks (Ungarn),Craighleith (Schottland), Ashville (Amerika), Lindenhof (Finnland).

17'