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1 (1899)
Entstehung
Seite
163
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Geschichtliche Entwicklung der Krankenpflege. 163

nicht vollständig verstanden wurden, solches durch direkte Fragen an den Arzt zulösen. Abweichungen von den vom Arzte getroffenen Verordnungen sowie selbst-ständiges Eingreifen sind der Pflegerin nur in den dringendsten Nothi'ällen ausser-halb des Krankenhauses erlaubt, und ist sie verpflichtet, von solchem Verfahren demArzte möglichst bald Kenntniss zu geben, im Krankenhause steht unter dem gleichenVorbehalt in solchem Falle der Oberin die Entscheidung zu,

§ 6. Die Pflegerin soll sich bestreben, Alles, was sie thut, schnell und gründ-lich, dabei aber still und geräuschlos zu verrichten. Gegen die Kranken soll sie ge-duldig und aufmerksam sein, ohne ihnen gerade jede Laune zu befriedigen. Eigenekleine Leiden undVerdriesslichkeiten soll man ihr nicht anmerken, sie soll sich viel-mehr in der Selbstbeherrschung üben und jederzeit ein freundliches Gesicht zeigen.Im Verkehr mit den Kranken ist ihr Heiterkeit zu empfehlen, doch muss sie sich vorAusgelassenheit hüten. Ueber alle Vorgänge im Hause sowie über alles, was in derAusübung des Berufes zu ihrer Kenntniss kommt, hat die Pflegerin jedem Unberufenengegenüber strengste Verschwiegenheit zu beobachten."

d) DerVerein zur Ausbildung von Krankenpflegerinnen in Bremen.

Derselbe verfügte am Anfang des Jahres 1897 über 43 geprüfte Schwestern,,3 Lehrschwestern und 2 Probeschwestern, die zumThoil im Vereinskrankenhause oderin anderen Krankenhäusern, zum Theil in der Privatpflege thätig waren. Das Kapitalder Schwesternkasse belief sich auf 105967 M. Im Jahre 1896 wurden eingenommen77-1-15 M. und ausgegeben 64656 M.

c. Die Krankenpflege am Ende des XIX. Jahrhunderts.

Das XIX. Jahrhundert zeigt uns, wie das deutsche Volk nach einerlangen Zeitenfolge des allgemeinen Niederganges nicht nur sich wieder-findet in politischer und volkswirthschaftlicher Sammlung und Kraft,sondern dass es auch von neuem erstarkt in seinem sittlichen Vermögen,indem es die Werke der Barmherzigkeit in ausserordentlich reger Weiseübt. Die hohe Entwicklung des Gedankens der Menschenfreundlichkeitund Nächstenliebe, die zuvor in gleicher, die breitesten Volksschichtendurchdringender Weise nicht beobachtet werden kann, prägt sich ins-besondere aus in der Bildung von überaus zahlreichen freiwilligen Orga-nisationen für die Armen- und Krankenpflege.

Angesichts der socialen und sittlichen Noth, die als eine mittelbareund immittelbare Folge der Kapitalansammlung in den Händen Wenigerund des Anwachsens der grossen Industrieeentren angesehen werden muss,stellt sich uns jene Ausbildung der Kranken- und Armenfürsorge darals eine Reaktion der edelsten Volkskräfte gegen wirtschaftlichen undsittlichen Verfall. Es erinnern uns diese Bestrebungen am Ende desXIX. Jahrhunderts an die Charitas der ersten christlichen Kirche, dieJahrhunderte lang das beste Heilmittel gegen das grosse Elend derrömischen Kaiserzeit war.

Ueberblicken wir die einzelnen Abschnitte in der Entwicklung derKrankenpflege dieses Jahrhunderts, so leuchtet uns der hochherzige Sinn

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