Druckschrift 
1 (1899)
Entstehung
Seite
72
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?2 Dietrich;

1820 für die Diakonissensache zu erwärmen. Gleichzeitig mit Klönnewirkte der Graf Adalbert von der Recke-Volmerstein, der Gründerder grossen Rettungsanstalt in Düsselthal bei Düsseldorf, für die Wieder-belebung der Diakonisseneinrichtung. Er begann im Jahre 1835 eineZeitschrift herauszugeben unter dem Titel:Die Diakonissin oder Lebenund Wirken der Dienerinnen der Kirche für Lehre, Erziehung und"Krankenpflege." Ereilich blieb es nur bei dem ersten und einzigen Heftder Zeitschrift, auch war des Grafen Absicht, im Herbst 1835 ein Diako-nissenstift in Düsselthal bei Düsseldorf zu errichten, an verschiedenen un-günstigen Verhältnissen gescheitert. Graf von der Recke hatte aber denKronprinzen Friedrich Wilhelm, nachmaligen König Friedrich Wilhelm IV.,für die Idee interessirt und mancher einflussreichen Persönlichkeit inprotestantischen Kreisen die Diakonissensache ans Herz gelegt. Auch derMinister Freiherr vom und zum Stein erwog ernstlich den Plan einerJungfrau aus den ersten Patriziergeschlechtern der freien Stadt Hamburg,Amalie Sieveking, ein Institut protestantischer barmherziger Schwesternzu gründen. Doch hatte auch Amalie Sieveking zunächst noch keinen Erfolg.Inzwischen war in aller Stille das, was Freiherr vom Stein und AmalieSieveking einerseits und Klönne mit Graf Recke-Volmerstein anderseitserstrebten, durch zwei Ereignisse verwirklicht worden, die die Wieder-belebung der christlichen Liebesthätigkeit in der evangelischen Kirchebedeuten: einmal die Gründung desRauhen Hauses" in Hörn bei Ham-burg im Jahre 1833 durch Johannes Wiehern und die hiermit ver-bundene Stiftung der evangelischen Brüderschaften der Diakonen, danndie Gründung des ersten Diakonissenhauses in Kaiserswerth im Jahre 1836durch den Pfarrer Theodor Fliedner.

1. Diakonen:

Johannes Heinrich Wichern, geb. am 21. April 1808 in Hamburg, stndirte inGöttingen und Berlin Theologie und übernahm als Kandidat der Theologie dieLeitung einer Sonntagsfreischule für arme Kinder in Hamburg. Die Beschäftigung mitden armen, erziehungsbedürftigen Kleinen reifte in ihm den Gedanken, diese Ver-wahrlosten überhaupt zu erziehen, nach dem Grundsatz:Bete und arbeite", und siezu Helfern und Erziehern anderer ihresgleichen heranzubilden. Ein Kreis vonmenschenfreundlichen, feingebildeten Männern und Frauen, die ihren Mittelpunkt imHause des Syndikus Sieveking, eines Enkels von Lessing (durch seine Frau, geb.Reimarus), fanden, unterstützte diesen Gedanken Wicherns aufs Wärmste. In einerVersammlung im Auktionssaale der Hamburger Börse legte Wichern am 12. September1833 seinen Plan vor, nicht eine kasernenartige Rettungsanstalt, wie sie schon seitBeginn des XVIII. Jahrhunderts vielfach gegründet waren, sondern eine Anzahlkleiner, nach, Art der Familienwohnungen gebauter Häuser, ein ganzes Rettungs-dorf gründen zu wollen, in dem der verwahrloste Knabe an einen Helfer, Erzieher,Handwerker, im Besonderen Vorsteher eines kleinen Familienhauses gewiesen werdenmüsse. Habe man die Kinder ihrer Familie entrissen, so müsse man sie wieder aneine Familie anschliessen. Man müsse daher die Kinder in einzelnen Familien miteinem Hausvater an der Spitze sondern und zusammenfassen. Als Erziehungsmittelsolle nur die rettende Liebe gelten. Schon am 1. Nov. 1833 konnte Wichern in demihm zur Verfügung gestellten kleinen Hause, nahe bei Hamburg, nach dem früherenBesitzer Ruges Haus (Rauhes Haus) genannt und zu dem Pfarrdorf Hörn gehörig,