Druckschrift 
1 (1899)
Entstehung
Seite
68
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68 Dietrich,

die für die Kriegsbereitschaft ganz unentbehrliche Kraft der freiwilligen Kranken-pflege bildet. (Guttstadt.)

Auch im Frieden entfaltete der Verein eine segensreiche Thätigkeit. 1871 kaufteer vom Fiskus einen Theil des vordem von der Fürstin Hedwig von Schlesien ge-gründeten Klosters Trebnitz und liess aus den Ruinen ein Krankenhaus erstehen, indem die barmherzigen Schwestern vom heil. Borromäus pflegen und, wie wir ge-sehen haben, ihr Mutterhaus für die schlesische Ordensprovinz haben. Im gleichenJahre übernahm der Verein auch das grosse Krankenhaus in Rybnik O./S., in demSchwestern vom heiligen Franziskus aus dem Mutterhause St. Mauritz bei Münster dieKrankenpflege ausüben. Bei den Typhusepidemien in Schlesien hat sich der Ordendurch seine hülfreiche Thätigkeit ganz besonders bewährt. Im Jahre 1880 erbte derVerein ein Vermächtniss vom Freiherrn von Jakoby und errichtete auf dem Jakoby-schen Rittergute in Niederkunzendorf ein drittes Malteserkrankenhaus, eingerichtetfür 80 Betten, sowie .für 3040 katholische Idiotenkinder. Auch hier sind Borro-mäerinnen (Mutterhaus Trier).

Ausserdem hat der Verein an verschiedenen Krankenhäusern (Potsdam,. Berlin,Breslau) Freibetten gestiftet. Schliesslich zahlt der Verein noch jährlich Beiträge fürdie humanitären Zwecke des Ordens in Rom und für die Unterhaltung des Ordens-hospizes in Tantur bei Jerusalem.

Der Verein der schlesischen Malteserrittor zählte zu Ende des Jahres 1897 im Ganzen120 Mitglieder, die, soweit sie nicht zu den Fahnen gerufen werden, sämmtlich alsDelegirte etc. der freiwilligen Kriegskrankenpflege zur Verfügung stehen. Unter ihrerspeciellen Leitung und Führung werden alle disponiblen Pflegekräfte der katholischenOrden in den Diözesen Breslau, Posen, Culm und Ermland stehen, die insgesammtvertragsmässig nur der Verwendung seitens des Malteser-Vorstandes übergeben sind.Ihre Zahl beträgt jetzt 20 barmherzige Brüder und etwa 700 barmherzige Schwestern.Für Kranke und verwundete Krieger sind im Kriegsfalle 2300 Betten in den einzelnendem Malteser-Verein gehörenden Krankenhäusern zur Disposition gestellt.

2. Die Genossenschaft der Rheinisch-Westfälischen Malteser 1 ).Mit Rücksicht auf die Erfahrungen von 1864 und 1866 schlössen sich die Malteser-ritter Rheinlands und Westfalens im.Jahre 1867 zu einer Organisation (Genossenschaft)für die Pflege verwundeter und erkrankter Krieger im Felde zusammen. Die General-versammlung der Genossenschaft wählte eine Centralleitung, die folgende Aufgabenerledigen sollte:

1. Entsendung und Unterhaltung von katholischen pflegenden Ordenskräftenin die Lazarethe, sowohl in die auf dem Kriegschauplatze befindlichen, alsauch in die rückwärts gelegenen;

2. Entsendung und Unterhaltung von Seelsorgern zu den kämpfenden Truppenkatholischer Konfession und in die Lazarethe;

3. Entsendung von Mitgliedern der Genossenschaft (Malteserritter) und katho-lischen Edelleuten aus Rheinland und Westfalen, die sich der Genossen-schaft zur Disposition stellen würden (Malteserkommissare), zur Begleitung,Vertretung und Verpflegung der Ordenskräfte, sowie

4. Entsendung von Verbandgegenständen, Naturalien und Liebesgaben allerArt in die Lazarethe, sowohl für die pflegenden Ordenskräfte, wie für dieVerwundeten und Kranken.

Die Centralleitung traf demgemäss mit dem Erzbischof von Köln und denBischöfen in Trier, Paderborn, Münster, Osnabrück, Hildesheim und Fulda ein Ab-

!) Nach Guttstadt, Krankenhanslexikon. II. S. 79.