Geschichtliche Entwicklung der Krankenpflege. 59
ansteckenden Krankheiten. Diu Oberin Cölestine Berger gründete die Anstalt für Irrein Mareville bei Nancy, wo die Brüder der christlichen Schulen schon von 1789—1790eine Corrections- und Irrenanstalt unterhalten hatten. In der Revolutionszeit warauch diese Anstalt verwahrlost worden und habsüchtigen Unternehmern anhcim ge-fallen. Im Jahre 1818 vereinigten sich 7 Departements zur erneuten Gründungeiner Irrenanstalt, die den Borromäerinnen übergeben wurde. Im Jahre 1837 wurdeauch in Prag ein Mutterhaus errichtet, von wo durch Cardinal Melchior von Diepen-brock im Jahre 1848 die Entsendung von 3 Schwestern nach Neisse erfolgte. Durchpäpstliches Decret vom 16. Mai 1857 wurde die Neisser Niederlassung auf Antragdes Fürstbischofs von Breslau, Dr. Heinrich Förster, zum selbstständigen Mutterhauserhoben. 1838 wurde das Hospital für Altersschwache und Waisen in Aachen über-nommen. Wohl die fälligste der Oberinnen war Maria Placida Bellanger (1761 bis1841). Im Kriegsjahr 1866 waren über 80 Schwestern auf dem Kriegsschauplatz undspäter in den Lazarethen vertreten. 1870/71 erwarben sich 120 Borromäerinnen aufdem Schlachtfelde und in den Lazarethen grosse Verdienste, denen die staatlicheAuszeichnung nicht fehlte. Am 21. November 1870 fand die Einweihung des Klostersin Trebnitz als Mutterhaus statt, wo ein Malteserlazareth eingerichtet war. Die Ab-hängigkeit der später gegründeten Mutterhäuser vom Generallurase in Nancy ist fürsämmtliche Mutterhäuser im Jahre 1871 vollständig gelöst worden. Am 1, Januar1897 besass der Orden in Preussen im Ganzen 146 Niederlassungen mit 1578 Mit-gliedern, nämlich das Mutterhaus Trier 52 Niederlassungen mit 829 Mitgliedern, unddas Mutterhaus Trcbnitz-T eschen 94 Niederlassungen mit 719 Mitgliedern. Man sieht,dass die Borromäerinnen in Deutschland die Vincentinerinnen bald erreicht habenin der Zahl der Mitglieder.
d) Von anderen Krankenpflegeschwesternschaften dieser Zeit seiennoch kurz besprochen: die filles Hospitalieres de St. Thomas de Villeneuve.Sie wurden im Jahre 1059 bei Gelegenheit der Kanonisation des heiligen Thomas vonVilleneuve, eines grossen Wohlthäters der Armen, vom Pater Auge le Proust aus demOrden der Eremiten des heiligen Augustin zu Bovignes gestiftet, versorgten zuersteine Reihe kleiner Spitäler in der Bretagne und erwarben auch in Paris im Jahre1720 ein Haus. f
Die Hospitaliterinnen von Dijon und Langres wurden 1685 vomPriester Joly in Dijon gestiftet; sie leisteten Vorzügliches in den Jahren 1693 und 94,während Dijon durch Theuerung und Krankheiten hart bedrängt wurde.
Die Hospitaliterinnen St. Josefs waren Anfangs als weltliche Schwestern-schaft von Frl. de ,1a Ferre in der Stadt la Fleche in Anjou gegründet. Sie wurdenspäter durch den Einflnss der Prinzessin Anna von Melun, einer Klosterfrau derSchwestern der Heimsuchung in Saumur, die zu ihnen geflüchtet war, zu Kloster-frauen von der Regel Augustins unter Clausur gebracht.
Die Hospitaliterinnen von der christlichen Liebe U. L. Fr. inParis wurden 1624 von Franziska vom Kreuze (de la Croix) gegründet nach demVorgange von Johannes Ciudad. Sie wollten ausschliesslich Frauen pflegen. DurchVermittelung der Königin Anna erhielten sie ein Hospital in Paris, dem sich baldein zweites zugesellte. Sie wandten sich der Regel des heiligen Augustin zu undtrugen sich grau (daher auch soeurs grises), später schwarz.
Sehen wir so am Ende des XVIII. Jahrhunderts in Frankreich einereiche Blüthe menschenfreundlicher Liebesthätigkeit, so ist das, was wirim katholischen Deutschland zu derselben Zeit linden, sehr spärlich.Mit Ausnahme einzelner Niederlassungen von barmherzigen Brüdern in