Druckschrift 
1 (1899)
Entstehung
Seite
57
Einzelbild herunterladen
 

Geschichtliche Entwicklung der Krankenpflege. 57

Seile gegebenen Schwestern einzuholen. Die Schwestern legen nur einlache Gelübdeab (die 3 gewöhnlichen und die Gelübde der Stabilität, d. h. im Dienste der Armenund Kranken bleiben zu wollen) und zwar immer nur für 1 .Jahr. Jedes Jahr, amStiftungstag, wird das Gelübde erneuert, jedoch nur auf Vorschlag der Superiorinund mit Genehmigung des Saperiors der Mission. Auf diese Weise konnte man sichuntüchtiger Elemente, wie bei den Jesuiten, jederzeit entledigen. Der Orden der'barmherzigen Schwestern breitete sich in Folge der ausserordentlichen Leistungs-fähigkeit der Mitglieder auf dem Gebiete der Krankenpflege ungemein schnell überFrankreich, Spanien und Italien aus. Kurz vor der Revolution war die Zahl seinerHäuser in Frankreich allein auf idO gestiegen. Während der französischen Revolutionhatte er mit den grössten Widerwärtigkeiten und den rohesten Unterdrückungen zukämpfen. Die meisten Schwestern wandten sich damals nach England. Napoleonberief sie später unter rühmender Anerkennung ihrer Vordienste wieder zurück, einevon ihnen, die Schwester Martha, dekorirte er mit dem Orden der Ehrenlegion. Auchsorgte er dafür, dass die Schwesternschaft wieder in den Besitz ihrer sämmtlichenHäuser gesetzt wurde, in Rom wurden die barmherzigen Schwestern (sorelle dellacarita oder della misericordia) erst unter Leo XII. durch die Herzogin Maria Pamfilizunächst im Archiospedale del Santissimo Salvatore eingeführt.

Ihre Hauptaufgabe bestand hier darin, akute Kranice, die in Rom lange Zeithindurch nicht in die Krankenhäuser, oder richtiger gesagt Hospitäler, aufgenommenwerden durften, zu Hause in deren Wohnung zu. verpflegen. Chronische Krankebesuchten sie zweimal wöchentlich, versorgten sie mit Speise und Trank, trugendie Kosten der ärztlichen Behandlung und unterstützten sie sonst noch injeder Weise.

In Deutschland fanden die barmherzigen Schwestern 180S in Münster Eingangdurch den späteren Erzbischof Clemens August. Dann 1811 in Trier, 1825 in Coblenz,1826 wieder in Trier, 1827 in München und von hier in ganz Baiern. Jn Berlin über-nahmen sie 1855 das katholische Krankenhaus.

In Oesterreich erhielten sie 1834 das Hospital in der Vorstadt Gumpendorf.das unter der Leitung des homöopathischen Arztes Dr. Fleischmann berühmtwurde. In Prag Hessen sie sich 1837, in Insbmck 1838, in Grätz 1841 nieder.

Die Zahl der verschiedenen Orden, die nach dem Vorbild des Ordens derVincentinerinnen (d. h. Barmh. Schwestern nach der Regel des heil. Vincenz vonPaul) in der Folgezeit, namentlich in der Zeit von 16501750 gegründet wurden,ist eine überaus grosse. Es sind theils Kongregationen für den Unterricht, wie dieUrsulinerinncn z.B. die files de la croix, die Dam es de 1' Instruction de l'en-l'ant Jesus (sog.,Beaten), die soeurs de la doctrine chretienne (sog. Wate-lottes), die fi 11 es de la Sagesse etc., theils solche für Armen- und Krankenpflege,oder auch für Beides, Schule und Krankenpflege zugleich, z. B. die soeurs de notreDamo de charite dites de St.Michel, die fi lies de St.Martha in Angouleme,dieReligieuses de St.Marie immaculee inBourges, die soeurs de St. JosefinAmien, dieDames de St. Thomas deVilleneuve, die filles deGenofefa,die Schwestern der Vorsehung und Andere, ferner solche, die aus älteren Pfleger-schaften umgebildet wurden, z. B. die soeurs hospitalieres de l'hotel dieu deLaon, die Spitalschwestern in Reims, die soeurs hospitalieres de la cha-rite" in Dijon und Andere. Ganz besonders aber die Schwestern vom heil. KarlBorromeo. Die wichtigsten von ihnen werden noch besonders besprochen.

Wenn auch alle verschiedene Satzungen haben, so stimmen sie doch in denHauptpunkten überein. Die Aspirantinnen müssen meist im Alter von 1824 Jahrenstehen und nach einer Probezeit die drei geistlichen Gelübde ablegen. Der Kircheund dem Orden gegenüber sind sie durch diese Gelübde für ihre. Lebenszeit ver-