Geschichtliche Entwicklung der Krankenpflege'. 00
pflege im Volke hervorgerufen und dadurch indirekt zur Bildung der barmherzigenSchwestern und Brüder, sowie der zahlreichen andern mehr lokalen Krankenpflege-Genossenschaften beigetragen. Am 1. Januar 1897 hatten die Franziskaner-Tertiarier-Brüder die später ein Orden regulirter Canonici geworden sind und sich nur mitKrankenpflege, Arbeiterkolonieen, Küsterdienst etc. beschäftigten, in Preussen siebenNiederlassungen mit 159 Mitgliedern. Das Mutterhaus befindet sich in St Josephshausin Hansen bei Waldbroitbach.
2. Die barmherzigen Schwestern.«) Ursulinerinnen.
Wenn auch die fJrselinerinnen nicht direkt zu den barmherigen Schwestern ge-rechnet werden können, so sind sie doch die Vorläuferinnen derselben und werdenam zweckmässigsten hier besprochen.
An gel o Merici (geboren 1470 in Desenzano, gestorben 1540) gründete 1537eine Vereinigung von gleichgesinnten frommen Frauen und Jungfrauen, die ohne einbesonderes Gelübde unter dem Patronate der heiligen Ursula als Tertiarierinnen sichdem Unterricht der Kinder und der Armen- und Krankenpflege widmeten. Sie wohntenspäter in eigenen Häusern und wurden 1544 durch Papst Paul III. als Orden be-stätigt. Der berühmte Mailänder Erzbischof Karl Borromeo „ein Märtyrer der Liebe,ein leuchtendes Beispiel für Hirten und Schafe", wie er in der KanonisationsbullevomJahrelölO genannt wird, erkannte die Bedeutung der Ursulinerinnen und führte siein alle 15 Bisthümer seines Sprcngels ein. Später wurden sie auch nach Frankreichund Deutschland eingeführt, wo sie als Schul- und Krankenpflegeschwestern verdienst-voll gearbeitet haben. Heute sind sie in Preussen nur noch als Schulschwesternthätig und zwar besassen sie: Mutter-Haus Answeiler, 9 Niederlassungen mit 209 Mit-gliedern; M.H. Köln 2 Niederlassungen mit 77 Mitgliedern; M.H. Venlo 1 Niederlassungmit 7 Mitgliedern; M. II. Breslau 5 Niederlassungen mit 168 Mitgliedern; M. II. Osna-brück 1 Niederlassung mit 19 Mitgliedern; M. H. Nymwegen und Dorsten 3 Nieder-lassungen mit 80 Mitgliedern; M. H. Erfurt 1 Niederlassung mit 43 Mitgliedern; M. II.Fritzlar 1 Niederlassung mit 27 Mitgliedern; M. H. Duderstadt 1 Niederlassung mit34 Mitgliedern und schliesslich M. H. Liebenthal mit einer Niederlassung und 27 Mit-gliedern, demnach zusammen 25 Niederlassungen mit 691 Mitgliedern.
ß) Die Vinzentinerinnen.
Vinzenz von Paul (franz. Vincent de Paul), geb. am 24. April 1576 zu Pouyin der Gascogne, als Sohn eines Landmannes, wurde als Jüngling von Seeräubern ge-fangen und lebte einige Zeit in Tunis. Von hier geleitete er einen von ihm bekehrtenRenegaten nach Rom, um ihn dem Orden der barmherzigen Brüder zuzuführen. DasKloster und Krankenhaus dieses Ordens, sowie dessen ganzes Wirken fesselten denfür dieCharitas begeisterten jungen Geistlichen gewaltig und Hessen in ihm den Wunschgross werden, eine ähnliche Werkthätigkeit unter den Frauen und Jungfrauen vorzu-bereiten. Hierzu hatte er als Hausgeistlicher der Königin Margarethe von Frankreichgute Gelegenheit. Die Gattin des Präsidenten Goussault unterstützte ihn zuAnfangdes 17. Jahrhunderts bei der Gründung eines Vereins von Frauen in Paris, die sichim Hotel Dieu der Krankenpflege widmeten. Diese Dames de la charite (confrerie dela charite) sollten die mangelhafte Pflege der im Hotel Dieu vorhandenen Spital-schwestern durch ihre Thätigkeit ergänzen. Zu dem Frauenverein des Hotel Dieutraten noch mehrere in anderen Parochien von Paris hinzu, so dass sich allmählicheine rege Theilnahme der Damen der besseren Stände an der Krankenpflege vor-