Druckschrift 
1 (1899)
Entstehung
Seite
54
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54 Dietrich;

0) D i e Pranz is kaner.

Als der Benediktinermönchsorden seinem Verfall entgegen zu gehen schien undmit ihm das ganze Mönchsthum, brachte eine einfache Umänderung des Gelübdesder Armuth in das des Betteins wieder einen enormen Aufschwung des Mönchslebensüberhaupt. G iovanniBernardone, der Sohn eines Kaufmanns in Assisi, geboren 1182,beschloss nach einer schweren Erkrankung zur Uebung der Demuth, seinen Umgangnur auf Bettler, Kranke und Aussätzige zu beschränken, zog singend und bettelndumher, um das nöthige Geld zur Wiederherstellung der ihm von den Benediktinerngeschenkten verfallenen Kirche der Maria der Engel bei Assisi zu erwerben. Er ge-wann bald Anhänger und Schüler, die mit ihm im groben grauen Rock mit Kapuzeund einem Sack angethan, umher pilgerten und die Busse predigten. Im Jahre 1208gab er seinem Verein eine, in 23 Kapiteln abgefassle Regel. Die Mitglieder hiessenMinores fratres, daher Minoriten, sie durften nur für des Leibes Nothdurft betteln,Geld aber ausser für kranke Mitbrüder nicht annehmen. Sie hatten die Pflicht hinaus-zugehen als Missionare, Kranke zu heilen und Sünder zu bekehren. Dabei durften sienicht das Mindeste bei sich tragen und hatten die Pflicht, ihren Obern unbedingtenGehorsam zu leisten, lnnocenz III. verweigerte anfangs die Bestätigung, ertheilte sieaber später doch, 'ebenso die Lateransynode im Jahre 1215. Giovanni, der wegenseiner Gewandheit, sich in französischer Sprache auszudrücken, denNamen Fran cescoerhalten hatte, begründete imJahrcl211 seinen Orden in Arozzo, Pisa,Florenz, Perugiaund Cortona und missionirte bis zum Jahre 1215 in Spanien, Portugal und Frankreich.Eine von ihm mit 12 Brüdern unternommene Missionsreise nach Afrika hatte nicht dengewünschten Erfolg. Inzwischen hatte der von ihm als Stellvertreter eingesetzte Eliasvon Cortona die ihm verliehene Gewalt dazu gebraucht, seinen Brüdern manchen Er-lass der strengen Satzungen zu gewähren, dafür hatte er die gelehrten Stadien undden Kirchen- und Kloslerbau begünstigt. Francesco eilte, als er dies erfuhr, zurückund entsetzte Elias seiner Stellung, darauf zog er sich in die Einsamkeit zurück.Um den Gedanken eines frommen Lebens ohne mönchische Absonderung und feier-licheGelübde zu fördern, gründeteFrancescoAssisi, wie er jetzt genannt wurde, dieLaienbrüderschaft der sogenannten Tertiarier. Das sindBrüder und Schwestern, dienicht direkt dem Orden angehören, aber sich verpflichten, im täglichen Leben nachden Haupterfordernissen eines gläubigen Christen zu leben, allen Zank, Neid, alleGenusssucht zu meiden, ehrbar und keusch zu leben, nie Schauspiele etc. zu be-suchen und den Armen, Hilflosen, Kranken und Gebrechlichen Freund, Pflegerund Berather im Sinne Jesu Christi zu sein. Die heilige Elisabeth von Thüringen,aber auch andere Fürstinnen und Fürsten lebten nach dieser dritten Regel des heili-gen Franz von Assisi. Nachdem dieser noch einen Orden der Klarissinnen gestiftet,die sich anfangs ebenso wie die Minoriten damit beschäftigten, herumzupilgern,Kranke zu pflegen und zu heilen, sowie Busse zu predigen, heute aber sich nur nochmit der Erziehung der.Jugend abgeben, starb Franz am 4. Octoberl226, nur 44Jahre alt,auf dem Erdboden seiner Kirche und wurde 2 Jahre nach seinem Tode durch PapstGregor IX. heilig gesprochen. Der Verlauf der Geschichte des Ordens, der sich imLaufe der Jahrhunderte den grössten Anhang im Volke erwarb und in die beidenHauptkongregationen der Konventualen und Observanten durch das Konzil in Kost-nitz (1415) eingetheilt wurde, von denen jedoch die Observanten, und somit die stren-gere Richtung, durch die Bulle Leos X. (1517) allein noch anerkannt blieben, in-teressirt uns hier weniger. Die Franziskaner haben nicht so durch ihr eigenes Ein-greifen auf dem Gebiete der Krankenpflege, als vielmehr durch ihr stetes Eintretenund Hinweisen mit Wort und Schrift auf die Liebesthätigkeit, die den Schwachenund Kranken zuzuwenden sei, dass Verständniss und die Neigung zur Kranken-