Geschichtliche Entwicklung der Krankenpflege. öl
Madrid CordovaundLucena. Es waren dies nicht mehr Versorgungsanstalten oder Frero-denhäuser, sondern Krankenhäuser im modernen Sinne. Im Jahre 1572 schriebPapst Pius V. eine Kleidung vor: schwarzer Talar, mit ledernem Gürtel umschlossen,schwarzes Scapulier mit kleiner runder und steifer Kapuze. Zugleich bestätigte erdas Ordensstatut mit der Kegel des heiligen Augustin. Danach konnte sich der Ordenfür jedes Hospital einen eigenen Superior wählen und einen Ordensbruder zum Priesterweihen lassen, der im Hospitale sowohl den Priestern, wie auch den Kranken denGottesdienst verrichten und die heiligen Sakramente spenden sollte, ausserhalb desHospitals war es ihm jedoch nicht gestattet, geistliche Punktionen vorzunehmen.Paul V. bestätigte dies Recht 1609, Urban VIII. jedoch, der 1624 den Brüdern allePrivilegien und Vorrechte der Mendikantenorden ertheilte, beschränkte jenes Rechtdahin, dass die Ordenspriester kein höheres Amt im Orden selbst annehmen undausser dem Hospital keine Jurisdiktion haben sollten. Bei jedem Hospitale von wenigerals 12 Brüdern hat der Bischof, in. dessen Sprengel sich die Anstalt befindet, alsOrdinarius die Mitaufsicht über die Kasse zu führen.
Da der Orden den humanen Zweck verfolgte, armen, verlassenen undhilflosen Kranken, ohne Unterschied der Religion, des Bekenntnisses,Vaterlandes und Charakters unentgeltlich ärztliche Hilfe und treue,sorgsame Pflege zu theil werden zu lassen, breitete er sich schnell aus überSpanien, Frankreich, Italien, Deutschland, Polen, Amerika und Indien. Schon imJahre 1592 konnte er sich in 2 Hauptkongregationen theilen, eine Generalschaft fürSpanien und Westindien, die andere für Italien und Rom, wo das erste Hospital aufder Tiberinsel errichtet wurde, und für die übrigen Länder. Im Jahre 1692 wurdeJuan Ciudad, genannt di Dio, heilig gesprochen. Seine Brüderschaft zählte bereits18 Zweigniederlassungen mit grossen und prächtig eingerichteten Krankenhäusern.Anfangs desXVIII. Jahrhunderts hatte er in der Generalschaft Rom bereits 155Hospitälermit 7210Betten und jährlich 150000 Kranken, in der Generalschaft Spanien 138 Hospi-täler mit 4140 Betten und 47000 Kranken jährlich.
Als Zeit des Eintritts gilt das 18. bis 35. Lebensjahr, die Aufnahme geschiehtnach einem Noviziate von einem Jahr durch geheime Abstimmung und macht allenMitgliedern ohne Ausnahme die beständige Pflege von Kranken jeden Bekenntnisseszur Pflicht. Die Brüder haben sich stets auch mit den medizinischen Studien be-schäftigt und so dazu beigetragen, die Entwicklung der wissenschaftlichen Medizin zufördern. Ilue Klöster sind grosse Hospitäler von musterhafter Einrichtung, in die sieunbemittelte Kranke aufnahmen. Musteranstalten dieser Art waren schon frühzeitigdas Hospital der Barmherzigen Brüder in Rom, Neapel, Mailand, Paris, Turin, Pragund andere. Jedes Kloster steht unter einem Superior, die Provinz unter einem aufdrei Jahre vom Kapitel gewählten Provinzial, über denen der auf 6 Jahre gewählteGeneral der Kongregation steht. In Schlesien bestehen sie seit dem Jahre 1712. DieSäkularisation im Jahre 1810 traf die Klöster der barmherzigen Brüder nicht mit, sieblieben meist in ihrem menschenfreundlichen Wirkungskreise bestehen, das KöniglichPreussische Säkularisationsedikt vom 30. Oktober 1810 wies ihnen sogar Unterstützungenaus dem Säkularisationsfonds zu.
Als Kriegskrankenpileger thaten sich die barmherzigen Brüder zuerst in denschlesischen Kriegen hervor, auch später waren sie gewissenhafte und gern gesehenePfleger der Kranken und Verwundeten in Zeiten der Seuchen und des Krieges. ImJahre 1831 richteten die Brüder in Breslau ihr Krankenhaus zum Choleralazareth ein,während die vorhandenen Kranken in dem städtischen Hospitale untergebrachtwurden.Dies blieb 2 Monate hindurch, währenddem 374 Personen beiderlei Geschlechts auf-genommen wurden. Davon starben 190 und wurden auf dem Klosterkirchhof be-graben. 5 Ordensbrüder erlagen damals der Cholera. Während des Krieges gegen
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