50 Dietrich,
die Reinheit ihrer Zwecke und ihre ausserordentlichen Leistungen über-strahlen.
Die Hierarchie gab zunächst die Herrschaft über die Wohlthätigkeits-anstalten und die damit verbundenen Genossenschaften nicht ohne weiteresauf. Das Cöncil in Trient (das Tridentinischc genannt) 1545—1563sollte auch der katholischen Kirche die von Vielen ersehnte Reformationbringen, thatsächlich aber wirkte es antireformatorisch. Dem oberenKlerus wurde die Aufsicht über die Hospitäler, Krankenhäuser undWohlthätigkcitsanstalten, die Verwaltung der damit zusammenhängendenPfründen und Einnahmen wieder übertragen, wofür der Bischof diePflicht der Armenpflege übernahm. Man Hess ausser Acht, dassgerade durch die Aufsicht des Klerus die Einkünfte der wohlthätigenStiftungen ihrem Zweck entzogen worden waren und sich vielfach inden Händen hoher Kirchenbeamten befanden. Glücklicher Weise fanddie Durchführung der Tridentiner Beschlüsse an der wachsenden Machtder Landesherren und Städte ein unüberwindliches Hindcrniss. Schonseit geraumer Zeit hatten Fürsten und Stadträthe die Aufsicht über dieStiftungen und wohlthätigen Anstalten, soweit sie nicht von der Kircheselbst unterhalten wurden, an sich genommen. Nichts konnte sie we-niger bestimmen, auf dies usurpirte Recht zu verzichten, als eine Reihevon Sitzungen sich streitender Kirchenfürsten. Im Gegentheil kam manallseitig zur Säcularisation der Stiftungen verschiedenster Art. Karl XI. vonFrankreich entzog 1561 ausdrücklich den Geistlichen die Leitung derHospitäler und bestimmte, dass deren Verwaltung durch angesehene undehrwürdige Einwohner zu führen sei, die von den durch, die Stiftung dazuberechtigten Personen oder in Ermangelung solcher von den Bürgerschaftenernannt werden sollten und zu jährlicher Rechnungslegung bei der welt-lichen Behörde verpflichtet waren. Somit verblieb dem Klerus nur dieLeitimg der von ihm selbst unterhaltenen Anstalten.
Die Reformation der Krankenpflege in der katholischen Kirche gingvon Spanien aus — ebenso wie die Hauptorgane der kirchlichen Gegen-reformation, die Jesuiten und Dominikaner, von dort aus ins Leben undin Thätigkeit traten. Aus Spanien kam das Vorbild des modernenHospitals und die der Neuzeit entsprechenden Pflegekräfte.
1. Die barmherzigen Brüder.
«) Die barmherzigen Brüder vom Orden Johannes von Gott.
Johann Ciudad, geb. 8. März 1495 im Flecken Major el Nuovo im ErzbisthumEvora, Provinz Alemteyo, Portugal, fasste nach einem an Ausschweifungen und Aben-teuern reichen Vorleben, auf Veranlassung des berühmten spanischen PredigersJuan d'Avila, den Entschluss, Kranke zu pflegen. Er errichtete zunächst inGranada im Jahre 1534 eine Ideine Armenanstalt und mit ihr eine Laienbriider-schaft von Krankenpflegern mit eigener Kleidung und einem Konvent. Als er am8. März 1550 starb, hinterliess er bereits eine Reihe von wohleingerichtetenHospitälern und eine festgefügte Genossenschaft zu deren Versorgung. Schonim Jahre 1553 besass das Hospital in Granada grosse Tochteranstalten in