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1 (1899)
Entstehung
Seite
49
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Geschichtliche Entwicklung der Krankenpflege. 4!)

manchen evangelischen Gemeinden, namentlich in der Diaspora so erheblich, dass sieein berühmter französischer Priestor, Bourdaloue, in einer vor Ludwig XIV. gehaltenenPredigt seinen katholischen Glaubensgenossen vorhalten konnte, indem er sagte:Ihr wisst, wie fest unsere Häretiker zusammenstehen, wie sie einer des andern Wohlwahrnehmen, wie sie sich gegenseitig in ihren Nöthen Hilfe leisten, wie sie ihreKranken besuchen etc." (Uhlhorn.)

Das grosse Elend, das der dreissigjährige Krieg über Deutschlandbrachte, Hess alle diese Anfänge einer Wiedergeburt der alt christlichenCharitas in den evangelischen Gemeinden wieder verschwinden. Deutsch-land war ganz verarmt und konnte auch in der ersten Hälfte des18. Jahrhunderts noch nicht wieder zu Wohlstand kommen. Die Kranken-häuser waren und blieben im protestantischen Gebiete mit einigen weni-gen Ausnahmen schlecht, nichts geschah zu ihrer Verbesserung. Manhielt es für richtiger, die Armen in ihren Wohnungen zu verpflegen, wiedenn auch überall die Kranken einen grossen Widerwillen gegen dieHospitäler empfanden und bis in die Neuzeit empfunden haben. Kost,Verpflegung und Wartepersonal waren vollkommen ungenügend und einerBettelversorgung gleich. Der Arzt kam nur selten und überliess unter-geordneten Kreaturen das Regiment im sogenannten Krankenhaus. Inder Gemeindepflege aber liess man die Armen durch die Armen ver-pflegen. Spener und August Hermann Franke waren nicht im Stande,die Liebesthätigkeit der früheren Zeiten von Neuem zu erwecken.DemPietismus war", wie Uhlhorn trefflich ausführt,die Frömmigkeit dereinzige Inhalt des Lebens und nicht das alles durchdringende Lebens-prineip. Deshalb hat er auch für die socialen Lebensinteressen keinenSinn. Es ist das alles für ihn ein Stück Welt, dem er kühl gegenübersteht." Dagegen betonte schon Herder,dass das Christenthum nicht denGeschäften und Ständen in der Welt entgegengestellt werden, sondern beiihnen sich erweisen soll, dass Christsein sich eben darin bethätigt, dassjeder an seinem Platze seine Pflicht thut, dass das Christenleben zu-gleich wahre Menschlichkeit ist und das Christenthum die Religion derMenschenliebe." Gerade diese Anschauung hatte der Pietismus, wie dieOrthodoxie des Protestantismus verkümmern lassen und so lag alles todt,als die grosse Noth der Napoleonisehen Knechtschaft über Deutschlandhereinbrach und zugleich in Folge des gewaltigen Einflusses der fran-zösischen Revolution die Zeit der Wiedergeburt in den Freiheitskriegen,die eine wunderbare Erneuerung des deutschen Volkes, besonders auchauf dem Gebiete der freien Liebesthätigkeit der protestantischen Bevöl-kerung herbeiführen sollte.

b) In der katholischen Bevölkerung.

Ganz anders hatte sich inzwischen der Einfluss der Reformationauf die wohlthätigen Kreise der katholischen Kirche geltend gemacht.Hier traten im XVI. und XVII. Jahrhundert Genossenschaften für dieArmen- und Krankenpflege auf, die alles bisher dagewesene durch

Handbuch der Krankenversorgung u. Krankenpflege. a