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1 (1899)
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47
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Geschichtliche Entwicklung der Krankenpflege. 47

III. Die Krankenpflege seit der Reformation.

A. Von der Reformation bis zu den Freiheitskriegen,a) In der protestantischen Bevölkerung.

In der Zeit, als die Reformation des kirchlichen und bürgerlichenLehens sich in Deutschland vorbereitete, war ein allgemeiner Nieder-gang der freien Liebesthätigkeit vorhanden. Man bekümmerte sichwenig um andere Mitmenschen, namentlich nicht um die Armen undGebrechlichen, obwohl damals ein hoher Wohlstand auch in Deutschlandherrschte. Die meisten Krankenhäuser und Hospitäler (Armen-, Siechen-,Versorgungsanstalten) waren schon in die Hände der bürgerlichen Be-hörden übergegangen, die an einer möglichst billigen Verwaltung einInteresse hatten. Andere bildeten Pfründenanstalten für Ordensmitglicderoder Brüder und Schwestern 'einer Laiengenossenschaft. Auch da, wodie evangelische Kirche die römische verdrängt hatte, besserte sich dieszunächst nur wenig, oder gar nicht. Das ist nicht auffallend, wennman die Grundanschauungen des Protestantismus denen der römischenKirche entgegenhält. Während diese den Frieden der Seele in einerdamals fast heidnischen Weise an die guten Werke knüpfte mandenke nur an Tetzel's Ablasshandel betonten plötzlich Luther undseine Mitreformatoren den Glauben derart, dass die Werke der Liebeund Barmherzigkeit vollständig in den Hintergrund traten. Man beeiltesich, die Spuren der alten Wohlthätigkeit zugleich mit den kirchlichenSchäden überhaupt, vollkommen zu beseitigen und zog die reichen kirch-lichen Pfründen und Stiftungen in den protestantischen Ländern allge-mein ein, indem man sie zu den fürstlichen oder städtischen Güternschlug. Dabei verfuhr man so gründlich, dass auch sehr nützliche An-stalten, wie Kranken- und Siechenanstalten, mit einem Schlage aller Mittelentblösst wurden, so dass sie nur sehr kümmerlich ihr Dasein fristenkonnten oder eingehen mussten. Die protestantischen Gemeinden zeigenwährend der beiden ersten Jahrhunderte nach der Reformation einegrosse Unfruchtbarkeit in den Werken der Nächstenliebe. Luther undseine Mitreformatoren erwiesen wohl an sich selber und an ihrergrossen Wohlthätigkeit, dass das neue Glaubensleben einen neuen Auf-schwung in der Liebesthätigkeit mit sich brachte. Doch wurde auchvon ihnen an eine Organisation freiwilliger Kräfte für die Armen-und Krankenpflege auf evangelischer Grundlage nicht gedacht, manfürchtete wieder in das Mönchsartige zu verfallen. Nur vereinzelt machteman im XVI. Jahrhundert den Versuch, die Diakonie der alten christ-lichen Kirche zu erneuern.

Bugenhagen schenkte in Lübeck den Kranken eine besondere Aufmerksamkeit,er denkt auch an die Gründung eigentlicher Krankenhäuser. Sowohl in der Braun-schweiger, wie in der Lübecker Kirchenordnung macht er dahinzielende Vorschläge:Es soll ein Haus gebaut werden mit vielen Kammern, damit jeder Kranke eine ge-heizte Stube habe, und nicht einer den andern vergifte. Darin sollen die Armen,die Gott mit der Pestilenz heimgesucht, aufgenommen und von den Diakonen ver-