Druckschrift 
1 (1899)
Entstehung
Seite
41
Einzelbild herunterladen
 

Geschichtliche Entwicklung der Krankenpflege. 41

Lehrer und vornehmsten Vertreter der Krankenpflege, die auf, diesem Gebiete und be-sonders in der Gemeindepflege, die Ritterlichen Pllegeorden weit überragten.

Mit dem XV. Jahrhundert beginnt der Niedergang der Antoniter in ihrer Bedeu-tung für die Krankenpflege, sie waren Kanoniker geworden und bildeten sich imLaufe der folgenden Jahrhunderte zu Pfründnern aus, die in der französischenRevolution verschwanden, soweit sie nicht in den protestantischen Ländern odero-rossen Städten schon vorher eingezogen worden waren.

7. Erwähnenswerthe Hospitaliterbrüderschaften sind, noch der ums Jahr 117tgenannte Laienorden der Hospitaliter von St. Protäis und St. Gervais.

8. Guido von Joinville soll im 13. Jahrhundert den Orden der Hospitalitervon der christlichen Liebe unserer lieben Frau gestiftet haben und zwar inBoucheraumont (Diözese Chälons) ums Jahr 1280, später hatten sie als Haupthaus dasim Jahre 1294 gegründete Hospitalles Billets" in Paris. Sie erhielten im Jahre 1347durch Clemens VI. die Augustinerregel, nachdem sie anfangs die HI. Regel des heiligenFranziskus befolgt hatten. Im XVII. Jahrhundert starb der Orden aus.

9. In Spanien gehören zu den ältesten Krankenpflegerorden die regulirtenChorherrn von Ronceval (gewöhnlich Roncevaux genannt). Sie sollenSchüler des heiligen Johann de l'Ortie gewesen sein, der unter Alfons IL das Haupt-spital noch vor dem Jahre 1163 in einer Wüste des Gebirges Occa gründete, die ihrerNesseln wegen den Zunamen de l'Ortie erhielt. Als Gründer des Hospitals in Ron-ceval wird Sanchez, Bischof von Pampelona, betrachtet.

10. Berühmter noch sind die Hospitaliter von Burgos. Alfons VIII. vonKastilien erbaute im Jahre 1212 neben dem von ihm gegründeten Nonnenkloster derMutter Gottes de las Huelgas ein schönes Hospital für die Pilger, die zum heiligen Jacobvon Compostella und zur Mutter Gottes von Guadeloup wallfahrteten, und übergab dieLeitung desselben der Aebtissin jenes Klosters. Die Krankenpflege wurde 12 Kon-vertiten vom Orden der Zisterzienser übergeben. Das Hospital wurde bald bei weitemreicher als das Kloster.

11. Einer specialistischen Krankenpflegegesellschaft soll hier noch kurz gedachtwerden. Im Jahre 1409 gründete der Priester Fr. Gose Gilaberto in Valencia (Spa-nien) nach der grossen Pest zu Ende des 14. und der ersten Jahre des 15. Jahrhun-derts, in denen auch Hungersnoth und Theuerung herrschte, eine Brüderschaft:de los Innozenses für die in Folge jener Bedrängniss zahlreich entstandenenGeisteskranken. Es wurden damals auch besondere Gebäude für diese Bedauerns-würdigen eingerichtet:casas de Oratas", die ersten Irrenanstalten.

12. Der Hospitaliterorden, der der Krankenpflege durch den Bau und die Ein-richtung von Krankenanstalten, wie wir bei deren Besprechung gesehen haben, ammeisten genützt hat, ist der weitverbreitete Krankenpflegeorden vom heili-gen Geist.

Als die Ritterorden im 12. Jahrhundert begannen, sich ihrem eigentlichenZweck, der Armen- und Krankenpflege zu entfremden und die Kirche das Volk durchihre hierarchischen Bestrebungen schwer bedrückte, fasste Guido von Montpellier,(d. h. Guido aus Montpellier, über seine Person verlautet Näheres sonst nicht) denEntschluss nach dem Vorgange vereinzelter schon bestehender Krankenpflegelaien-verbrüderungen einen neuen Hospitaliterorden auf rein weltlicher und bürgerlicherGrundlage ins Leben zu rufen. Er entsprach damit dem Bedürfniss seiner Zeit undhatte einen durchschlagenden Erfolg. Als Hauptaufgabe stellte er sich die Sammlungund Erziehung von guten Krankenpflegern, sowie den Bau und die Einrichtung von An-stalten, in denen die Kranken der grossen Pandemien und andere untergebracht undmit Barmherzigkeit behandelt und verpflegt werden könnten nach dem Muster Spa-niens, wo damals solche Wohlthätigkeitsanstalten in reicher Menge vorhanden waren.