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Reliquien dem Kloster in Monte majore. In Folge dessen wurde die Pfarrkirche inMota, die zur Ruhestätte des Heiligen bestimmt war, prächtig umgebaut und von demzum Papst gewählten Erzbischof Guido von Vienne, Kalixt IX., im Jahre 1118 ineigener Person dem heiligen Antonius geweiht. Die Kirche blieb wie bisher in Ab-hängigkeit von dem Kloster und wurde durch einige Mönche unter einem Prior ver-sorgt. Die mit dem Kloster, wie überall so auch hier, verbundene Wohlthätigkeits-anstalt (Eleiomosynaria), in der Laienbrüder unter einem Magister die Fremden undKranken pflegten, gewann in Folge der während der Zeit des heiligen Feuersstark in Aufnahme gekommenen Wallfahrten nach den Gebeinen des heiligen Anto-nius, eine weitgehende Bedeutung und grossen Reichthum. Die Brüder, von Fürstenund Päpsten mit den weitgehendsten Privilegien ausgestattet, zogen Gaben sammelndmit ihrem Antoniusstab und einem halben blauen Kreuz auf der Kleidung durch dieLande, in Deutschland wegen des T-förmigen Kreuzes die Tönniesherren genannt,und erhielten von allen, denen das Verschontbleiben vom heiligen Feuer am Herzenlag, reiche Geschenke. Allmählich wurden ihnen noch andere Spitäler unterthänig,z. B. 1194 eins in Rom, 1208 eins in Accon. Man stiftete auswärtige Präzeptoreicn.In Deutschland schenkte Friedrich IL den Antonitern das Patronat der Kirche inMemmingen (1215). 1218 besassen sie ein Haus in Griinberg in Hessen, 1222 einsolches in Templin (Mecklenburg), von hier aus wurden die Häuser in Mohrkirchen(Schleswig), Frauenburg (Errneland), Lennewarden (Livland) gestiftet. Das Präzep-toriale Haupthaus der Rheingegend war Rosdorf bei Hanau (gestiftet 1235), dem dieHäuser in Frankfurt, Alzey, Köln, Mainz, Oppenheim unterstellt waren. Seit 1441wurde Höchst Sitz der Präzeptorei, deren Besitz sich bis nach Schlesien erstreckte,z. B. Brieg. 1260 besass der Orden ein Haus in Prettin, ferner in Arolsen, Lichten-berg und Fintel (Herzogthum Bremen). Der Präzeptor für Süddeutschland sass imHaus Isenheim, das 1314 Sitz der Generalpräzeptur in Deutschland wurde. Auch inder Schweiz (Basel und Uznach), Oesterroich, Ungarn und Siebenbürgen hatte derOrden seine Niederlassungen. Im Ganzen soll er Ende des 14. Jahrhunderts 364Töchter-häuser gehabt haben.
Im Jahre 1297 bestätigte Papst Bonifaz ein Abkommen zwischen Kloster undSpital, nach dem dieses in alleinigem Besitz der Kirche und der Reliquien des heiligenAntonius verblieb und verlieh dem Spitalvorsteher den Titel „Abt". Damit war ausder Laienbrüderschaft des Klosters ein unabhängiger Spitalorden geworden.
In allen Städten und grossen Orten der Provinzen bestanden Genossenschaftenvon Mitbrüdern des Ordens (Antoniusgilden), deren Glieder dem Orden affiliirt warenund regelmässige Beiträge zahlten. Die herumziehenden Ordensbrüder (Tönniesherrn)brachten reichen Ablass, sie konnten das Interdikt durch ihre Anwesenheit unter-brechen. Auch den Päpsten gegenüber hatten sie eine besondere Bestimmung undStellung. Jene Hessen sich auf ihren Reisen durch Antoniter begleiten, um sich undihre Untergebenen und sonstigen Gefolgschaften im Falle der Krankheit pflegen zulassen.
Die Antoniter nahmen nicht nur solche, die am heiligen Feuer erkrankten, son-dern alle Kranken in ihre Spitäler auf und pflegten sie oft mit bewunderungswürdigerAufopferung. Sie sind insofern eine interessante und characteristischeKrankenpfleger-Vereinigung des Mittelalters, als sie zeigen, wie die Klöster nicht nur die Medicin,sondern auch dieKrankenpflege förderten und stützten. Ebenso wie die ersten Mönchs-klöster, die vom Orden des heiligen Benedikt, eine Pflegstätte der Medicin wie über-haupt der Wissenschaften waren und die Medicin zur Klosterpraxis und zu einemfakultativen Unterrichtsgegenstand der Klöster, beziehentlich Kathedralschulen machten,so waren die mit den Klöstern verbundenen "Wohlthätigkeitsanstalten (Hospize, Hospi-täler, Krankenhäuser) Lehrstätten für die Krankenpflege und die Laienbrüder die