Geschichtliche Entwicklung der Krankenpflege. 39
die Ritter (z. B. die Templer in Klein-Oels) mir die Wache nnd Verwaltung hattenund für die Kranken Aerzte, Chirurgen und Servientes hielten.
Daraus, dass „Kreuzherrn" und „Irospitaliter" vom heiligen Geist zusammeno-enannt werden, ist nicht zu schliessen, dass beides Synonyma und Bezeichnungenfür die Brüder vom heiligen Geist sind. Allerdings trugen diese auch ein weissesKreuz aber ein doppeltes mit 8 Spitzen und zwar nur auf dem Mantel, während sieauf der Brust eine weisse Taube führten.
Auch die „Kreuzherrn" wurden mit der Zeit ihrem eigentlichen Zweck ent-fremdet und gingen im 15. und 16. Jahrhundert an Verweichlichung und durchihren Reichthum zu Grunde. Ihre Güter wurden zum Theil von der Krone oder Ge-meinde eingezogen, zum Theil anderen Genossenschaften übergeben.
6. Der beliebteste und im Volke angesehenste Laienorden war im Mittelalterdie Congregation der Hospitaliter des heiligen Antonius von Vienne.
Nach der Ordenssage soll sie von einem französischen Edelmann Gaston undseinem Sohne Guerin, die am heil. Feuer (auch Feuer des Antonius genannt) er-krankten und gerettet wurden, aus Dankbarkeit gestiftet worden sein. Das heiligeFeuer, mal des ardents, ars ura oder ignaria pestis genannt, und von den Chronistenals eine der furchtbarsten Volkskrankheiten beschrieben, bestand in einem Ergriffen-sein der inneren Organe oder der Glieder durch Brand, bis der Tod eintrat. Entwederdie Krankkeit befiel mehr das motorische Nervensystem und veranlasste Krämpfe,sowie wunderbare Verdrehungen der Glieder, wozu sich oft Extasen und Somnam-bumlismus gesellten, daher wandte man sich an den Schutzheiligen gegen Besessen-heit, Antonius den Eremiten, oder der Gang der Krankheit war mehr dem eines Roth-laufes schlimmster Art zu vergleichen, wie ihn der damals lebende Abu Casem inSpanien beobachtete, wobei die befallenen Stellen unter grossen Schmerzen in Brandübergingen und der Kranke starb oder nach dem Verlust von einzelnen Gliedern einunglückliches Leben behielt. Meist ging der Krankheit eine Hungersnoth oder Theue-rtmg voraus, so dass oft schlechtes Getreide mit Mutterkorn zum Backen verwandtwerden musste. Man nimmt deshalb jetzt allgemein an, dass das heilige Feuer inErgotismus bestanden hat und zwar in der nervösen und gangränösen Form.
Schon im Jahre 994 sollen in Aquitanien, Augoumois, Perigord und Limousinhinnen kurzem 40000 Menschen an dieser Krankheit verstorben sein. In das Kranken-haus, das Adalbero IL, Bischof von Metz (984—1005) für die am heiligen Feuer Er-krankten stiftete, sollen täglich 80—100 Kranke aufgenommen worden sein. Dass beisolchem Elend das Bedürfniss nach öffentlicher Krankenversorgung ein ausserordent-lich grosses war, ist erklärlich. Besonders stark trat die Krankheit nach der Theue-rung von 1083—84 in Frankreich, Lothringen und Oberitalien auf. Auch noch dasganze XII. und z. Th. noch das XIII. Jahrhundert hatte unter dieser Plage zu leiden.In Frankreich, Flandern, Spanien, Lothringen und Deutschland wurden deshalb injener Zeit eine grosse Zahl Spitäler und Brüderschaften zur Pflege der Erkranktengegründet. Die Sage, dass Gaston, ein Adeliger aus der Gegend von Vienne, bei demPriorat la Mothe St. Didier, wo Reliquien des heiligen Antonius bewahrt wurden,ein Spital errichtet habe, an das sich die Gründung des Antoniterordens geknüpfthabe, klingt daher nicht unwahrscheinlich.
Urkundlich steht jedoch nach Uhlhorn nur folgendes fest: Bei der Stadt Mota(später St. Didier la Mothe, Diözese Vienne) lag ein Benediktinerkloster St. Petrimontis majoris oder kurz mons major genannt, dem auch die der heiligen Maria ge-weihte Ortspfarrkirche in Mota gehörte. Ein französischer Edelmann brachte voneiner Pilgerfahrt aus dem Morgenlande (Konstantinopel) am Ende des 11. Jahrhundertsdie Gebeine des Vaters der Mönche (des heiligen Antonius) mit und führte sie imLande umher. Da das Anstoss erregte, schenkte sein Erbe Guigio Desiderius die