Druckschrift 
1 (1899)
Entstehung
Seite
38
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38 Dietrich,

Gottesthal im Rheingau im Jahre 1145 das älteste Hospital in Mainz nebender Domkirche an der Stadtseite vom damaligen Erzbischof Heinrich zur Ver-waltung und Ausübung der Liebesthätigkeit. Regulirte Augustinerbrüder über-nahmen im .lahre 1183 das auf dem Michaelisberge bei Ulm neuerrichtete Hospital.Bischof Hugo von Morville stiftete 1209 in Constance die Brüderschaft der regulirtenGeistlichen vom Orden des heiligen Augustin, die sich der Krankenpflege widmeten.Im Jahre 1250 berichteten die Brüder vom Orden des heiligen Augustin aus demKatharinenhospital in Regensburg:ihre Spitalgebäude seien viel zu eng und dürftig,infolge des mangelnden Platzes und der schlechten Luft seien viele von ihnen durchdie Kranken angesteckt und in Menge früh verstorben". Die Nachrichten über diesekleineren bürgerlichen Localcongregationen sind sehr spärlich und verlieren sich im15. Jahrhundert mit der Ausbreitung der besser organisirten grossen Hospitaliter-orden (Antoniter, heil. Geistbrüder). Sie sind insofern für die Krankenpflege des11., 12. und 13. Jahrhunderts von Bedeutung gewesen, als sie in einer Zeit, in derdie Ritterorden vom Dienste an Armen und Kranken abkamen, diesen Dienst that-sächlich aufnahmen und in der Zeit des Aufblühens der Städte die bürgerlichenKreise für die Werke der Barmherzigkeit vorbereiteten.

5. Die Kreuzbrüder oder Kreuzträger (crueiferi). Sie zeigen eineOrganisation und Ordenssatzungen, wie die Ritterorden. Die stärkste Brüderschaftdieser Art stammt aus Italien. Im Jahre 1160 nahm Papst Alexander III. das Hospitalvon Bologna, das schon damals als Stammhaus derKreuzträger" genannt wird, inseinen Schutz. 1185 stehen schon mehrere Spitäler unter dem Hause in Bologna,dessen Prior als das Haupt des ganzen Ordens genannt wird. Als Abzeichen trugensie ein eisernes, schwarzes Kreuz. In England wurden die zum Orden des heiligenBenedikt gehörenden Hospitäler in Coventry (Chorherrn zu St. JoTtannis dem Täufer)wegen des schwarzen Kreuzes, das sie auf Rock und Mantel trugen:crueiferi" ge-nannt, ein Zusammenhang mit denKreuzträgern" Bolognas lässt sich jedoch nichtnachweisen. DieKreuzträger" Böhmens und Schlesiens trugen ein weisses Kreuz,darunter einen rothen Stern auf dem Mantel und Kleid, sie wurden daher auchstelliferi" genannt. Der Ursprung dieses weitverbreiteten Krankenpflegeordens istnach Uhlhorn auf Prag zurückzuführen, wo Agnes, die Tochter Ottokars Prezmislavvon Böhmen ein Kloster St. Francisci gegründet hatte. Mit diesem war ein Spitalverbunden, dem Laienbrüder vorstanden. Im Jahre 1238 schenkte Königin Constanze demSpital die von dem Deutschorden im Jahre 1233 abgekaufte Kirche zu St. Petri nebst ver-schiedenen Gütern und erwirkte, dass das Spital vom Kloster unabhängig und direktunter den h eiligen Stuhl gestellt wurde. Im Jahre 1252 erhielten dieBrüder von Innooenz IV.als Abzeichen das weisse Kreuz mit dem rothen Stern darunter und die Bestätigungder Brüderschaft als Orden. Dieser breitete sich nunmehr in Böhmen und Schlesiendurch dieTheilnahme und Mitgliedschaft vieler hoher Adeliger schnell aus. Im Jahre1253 stifteten die Herzöge Heinrich und Wladislaw von Schlesien mit Zustimmungihrer Mutter Anna in Breslau ein Spital der heiligen Elisabeth und übergaben dasselbeden PragerKreuzträgern". Dann folgten das Spital in Bunzlau (1260), Inowraclawund Brzire (12601270), Münsterberg (1276), Liegnitz (1260). In jener Zeit mussihnen auch das reiche und bedeutende Stift zu St. Matthaei in Breslau übergebenworden sein, nach dem die Kreuzträger Schlesiens auch der Orden derKreuzherrnvon St. Matthaei" genannt werden. Ihnen wurde 1281/82 das Spital zu St. Petriin Münsterberg und 1283 das Hospital zu St. Michaelis in Schweidnitz von Heinrich IV.von Schlesien übergeben. Heinrich V. übergab ihnen später das 1288 gestiftete St.Nicolai-Hospital in Liegnitz.

Ein Chronist aus jener Zeit hebt ausdrücklich hervor, dass dieKreuzherrn"und die Hospitaliter vom heiligen Geist die Krankenpflege selbst ausübten, während