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1 (1899)
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35
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Geschichtliche Entwicklung der Krankenpflege. 35

Auch Alexianerinnen gab es, die aus Beginen entstanden waren, so in Kölndas Haus Nazareth, St. Ursula, St. Elisabeth,Zum Zederwald" etc. Sie hatten dieSt. Ursula zur Patronin.

"Wir stossen bei den Alexianern zum ersten Mal auf die charakte-ristische Umänderung der Krankenpflegegenossenschaften aus geist-lichen, z.theil adeligen, kirchlich und gesellschaftlich selbstständigenVoreinigungen in rein bürgerliche Brüderschaften, die wie jeder andereBürger der Pfarrkirche unterstellt und von den städtischen Obrig-keiten direct abhängig sind. Der Rath der Stadt (z. B. Frankfurt, Halber-stadt) giebt ihnen die Ordnung, nach der sie ihre Berufsarbeit der Krankenpflegeauszuüben haben. In Halberstadt führte die Alexianer-Brüderschaft sogar das Stadt-wappen in ihrem Wappen unter der heiligen Anna und Maria mit dem Kinde. Esbeginnt die Ueberleitung zur bürgerlichen Armen- und Krankenpflege.

ß) Kalandsbrüderschaften.

Diese stehen mit der Krankenpflege nur in lockerem Zusammenhang insofern,als sie die Noth ihrer Mitmenschen, besonders ihrer Mitbrüder überhaupt zu lindernsuchten. Es waren Anfangs Vereine von kirchlich gesinnten Pfarrgemeindemitgliedernnach Art unserer modernen Parochialvereine und Hausväterversammlungen. An ihrerSpitze standen die Parochialgeistlichen. Am Ersten jeden Monats (Calendae, deshalbfratres calendarii) kamen sie zusammen zu gegenseitiger Aussprache, zur Förderungdes sittlichen und religiösen Lebens durch näheren friedlichen und liebevollen Um-gang, strenge Uebung der religiösen Pflichten und gemeinsame Andachtsübungen,zugleich bereit, sich gegenseitig in Noth beizustehen und ein Mittel- und Sammelpunktfür Gleichgesinnte zu sein. Sie leisteten sich und ihren hilfsbedürftigen Angehörigen,aber auch andern Mitmenschen jede Hilfe, Pflege in Krankheiten und die Ehre desletzten Geleites, wobei den jüngsten Brüdern zufiel, die Todten zu bestatten. (Aehn-liches hat sich bis heute unter den Halloren in Halle a. S. erhalten.) In Pestzeitenhaben die Kalandsbrüder bisweilen erhebende Beispiele von Opfermuth gegeben. VomKloster Ottberg im Gebiet der Abtei Corvey in Westfalen verbreiteten sie sich seitdem XIII. Jahrhundert über ganz Niederdeutschland, Niederlande und Frankreich.Sie wurden von Päpsten und Fürsten begünstigt und beschenkt. In Lübeckkamen sie besonders seit dem schwarzen Tode (1350) und nach der grossenPest (1370) in Aufnahme. Später überliess man die oft und Manchem recht lästigenGeschäfte des Krankenpflegens und Bestattens besoldeten Dienern.

Die Kalande hatten in. ihren Reihen Vornehme und Geringe, Reiche und Arme,Männer und Frauen. Ueber die in den Bund Aufzunehmenden fand eine geheimeBerathung statt, bei der vorzugsweise der sittliche Ruf in Betracht kam. Nach ihrenVereinsversammlungen fand ein gemeinschaftliches Mahl statt, das mehr und mehrin Ueppigkeit, Völlerei und bisweilen auch Unzucht ausartete. Man nannte dieBundesmitglieder daher auchKalandsfestbrüder" und Schlemmen nannte manKa-landern". An manchen Orten verwandelto sich das Kalandsversammlungshaus ineine Bierschenke, die den Geistlichen als Zechstube diente, damit sie nicht genöthigtwaren, gemeinere Gastwirthschaften aufzusuchen. Schon vor der Reformation wurdendie Kalandsbrüderschaften" wegen Völlerei überall aufgehoben. Mit der Reformationverschwanden sie ganz, ihre Güter wurden zu milden Stiftungen verwandt oder fielenandern Orden zu, wie den Johannitern in der Mark Brandenburg und in Pommern.