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1 (1899)
Entstehung
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Geschichtliche Entwicklung der Krankenpflege. 33

Dieser gründete einen Hof mit einem Hospital und einer grossen Anzahl einzelnerHäuschen, in denen Frauen und Jungfrauen fern vom männlichen Geschlechtin frommen Uebungen und nützlicher Thätigkeit ohne geistliche Regel zusammen-lebten. Lambert starb, von der Geistlichkeit wegen seines freieren Denkens ange-feindet und der Zauberei angeklagt, im Jahre 1187, nachdem ihn Papst Urban III. inRom verhört und freigesprochen hatte.

Ueber die geschichtliche Entwickolung der Beginen ist folgendes zu erwähnen:Schon im Jahre 1215 hatte ein päbstliches Edikt die Errichtung neuer Orden ver-boten. Um eingetretene Missbräuche zu treffen, setzte eine Synode in Fritzlar im Jahre1244 zur Aufnahme in die Beginenhöfe ein Alter von 40 Jahren fest. Trotzdem ent-wickelten sich jene Höfe ausserordentlich schnell und stark. Beginenhöfe resp. Be-oinen werden urkundlich aufgeführt in Frankfurt a. M. im Jahre 1242, in Köln 1247,liier sollen schon ums Jahr 1250 im ganzen 2000 Beginen gewesen sein, in München imJahre 1248, in Strassburg und Hamburg 1255, in Bremen 1259, in Augsburg 1263, inParis 1264, in Worms 1275, in Koblenz 1276, in Mainz 1281, in Rostock 1283, in Speier1285, in Fritzlar 1286, in Wismar 1290, in Rheims 1294, in Halberstadt 1302, in Erfurt1308. Durch das Konzil von Vienne wurden im Jahre 1311 Beginen, Begarden etc.als Ketzer bezeichnet. Dem ungeachtet bildeten sich überall in Deutschland Beginen-häuser. In Frankfurt a. M. sollen allein 57 Beginenhäuser vorhanden gewesen sein,die alle im XIV. Jahrhundert gestiftet wurden. In Strassburg sind 60 Beginenhäuser(Höfe), in Basel 30, in Köln (im Jahre 1452) 106 Höfe mit 890 Mitgliedern nach-gewiesen worden. Noch im XV. Jahrhundert wurden Beginenhöfe in Görlitz, Rochlitz,Lübeck, Leipzig, Salzwedel, Königsberg (in der Neumark) gegründet. Da man inDeutschland am Namen Anstoss nahm, nannten sich die Beginen hier auchSeel-schwestern." Durch die Reformation verschwanden die Beginen aus Deutschlandvollständig, während sie sich in den Niederlanden noch erhielten. In Gent undLöwen bestehen sie jetzt noch. Die Höfe und ihr Besitz kamen z. Th. an die Kirche,z. Th. wurden sie Kranken- und Armenhäuser und städtisches Gemeindeeigenthum.In Frankreich sollen die Hospitaliterinnen der heiligen Martha von Bourgogne vonden Beginen herstammen und zwar von denen von Mulines. Das bedeutendste derHospitäler dieses Ordens war das von Beaune, das 1443 von Nicolas Robin, Kanzlerdes Herzogs Philipp des Guten von Burgund gegründet wurde. Für vornehmeKranke waren hier besonders prächtig ausgestattete Zimmer, jedes mit 3 Betten fürden einzelnen Kranken vorhanden.

Zuweilen lebte eine wohlhabende Wittwe in ihrem eigenen Hause als Begine miteinigen dazugewonnenen und genommenen Frauen in Beginenschwesterschaft. Nachihrem Tode liel dann dasBesitzthum der Schwesternschaft zu. Derartige Häuser wurdenauch Gotteshäuser genannt und führten ein über der Thür gemaltes oder in Stein ge-hauenes Kreuz als Merkmal.

Im Allgemeinen trugen die Beginen schwarze Kleider, vereinzelt auch blaue, da-her dann:blaue Beginen", so in Lüneburg und Wismar. Sie gelobten Keuschheitund Gehorsam, konnten jedoch zu jeder Zeit austreten und heirathen, auch blieb ihrVermögen zu ihrer freien Verfügung. Die gemeinsame Wohnstätte war der Beginen-hof, ein umfangreiches mit hohen Mauern umgebenes Grundstück, mit grösseren oderkleineren Häusern, in denen je 24 Beginen wohnten. Jede einzelne führte ihrenkleinen Haushalt, die Aermeren lebten von dem Ertrage ihrer Handarbeit, vomUnterricht etc. Es war einzelnen Beginen auch gestattet, ausserhalb des Hofes inihren Familien zu wohnen, sie durften dann aber nicht die Beginenkleidung tragenund genossen die den Beginen gewährte Steuerfreiheit nur im geringen Maasse.Den Beginen war freigestellt, womit sie sich beschäftigen wollten, ob mitSpinnen oder Weben oder Unterricht oder Bewahren von kleinen Kindern oder mit

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