Geschichtliche Entwicklung der Krankenpflege. 29
Lazare et Notredame de Mont Carmel neue Statuten, durch die den Rittern der Schutzder Kirche, die Barmherzigkeit gegen die Armen und die Pflege der Aussätzigen wiederzur Pflicht gemacht wurde. In der französischen Revolution verschwand der Orden,wie viele andere spurlos. In Spanien lebte der Orden vom heiligen Lazarus, hier auchOrden des heiligen Antonius genannt, bis 1787 ununterbrochen fort, während er inSardinien nur noch Ordensdecoration war. (Jeher weibliche Mitglieder des Ordensfehlen die Nachrichten vollkommen.
y) Der deutsche Orden.
Der Ritterorden des deutschen Hauses, oder vollgenannt, der „Orden der Brüdervom deutschen Hause St. Mariae in Jerusalem" ist im wesentlichen eine Nachbildungder Templer und Johanniter. Die ritterliche Bekämpfung der Ungläubigen wurdejenen, die Krankenpflege und barmherzige Nächstenliebe diesen entlehnt. Charak-teristisch für den Orden ist, dass er im Gegensatz zu jenen beiden hochadeligen Ordenhauptsächlich bei den Städten und in bürgerlichen Kreisen Eingang und Sympathienfindet, so dass ihm viele bürgerliche Spitäler, die von einzelnen Personen oder denstädtischen Behörden gestiftet waren, zur Verwaltung übergeben wurden. Wie Uhl-horn betont, bildet der deutsche Orden auf diese Weise gewissermassen einen Ueber-gang der ritterlichen zu den bürgerlichen Krankenpflegegenossenschaften.
Im Jahre 1128 soll ein frommer deutscher Mann, der mit seiner Frau in Jeru-salem lebte, ein „Xenodochium" für die deutschen Stammesgenossen, die der dortigenSprache unkundig waren, errichtet und bei der Vermehrung des Besuchs jener An-stalt auch eine Kapelle zu Ehren der Jungfrau Maria erbaut haben. Seine Frau wid-mete sich den deutschen Frauen, in Beherbergung und Pflege. Allmählich sammeltensich auch Pflegende in diesem deutschen Hause, lebten nach der Regel des heiligenAugustin und nahmen als Kleidung einen weissen Mantel mit schwarzem Kreuz an,als Genossenschaft der Brüder vom Hospitale der heiligen Jungfrau Maria in Jeru-salem. Als zu den Hospitälern auch Ritter traten, wurde der Kampf ■ gegen dieUngläubigen zur Pflicht. Zwistigkeiten zwischen den Johannes- und Marienbrüdernveranlassten den Papst Cölestin IL im Jahre 1142, das deutsche Hospital unter dieOberaufsicht des Meisters vom Jonanneshospitale zu stellen und zu bestimmen, dassdie deutschen Hospitaliter nur Deutsche aufnehmen sollten. So blieben die deutschenRitter lange in einer gedrückten Stellung, wie auch ein französischer Geschichts-schreiber des XIII. Jahrhunderts von ihnen berichten konnte: „In Niedrigkeit, Ar-muth und Frömmigkeit sind die deutschen Hospitaliter durch lange Zeit rein gebliebenvon Stolz, Habgier und Zwietracht". —
Nach der Eroberung Jerusalems (3. October 1187) starben die mit dem Schwertbetroffenen durch die Hand des Siegers, die Pfleger dagegen erhielten von dem fürihre Werke der Barmherzigkeit von hoher Verehrung erfüllten Sultan Saladin die Er-laubniss in Jerusalem bleiben zu dürfen. Sie lagen in gewohnter, selbstloser Weiseder Krankenpflege hier ob bis 1219, wo Jerusalem vom Sultan Korradin vollständigzerstört wurde und die deutschen Ritter den Platz verlassen mussten. Die eigent-liche Begründung des deutschen Ritterordens ist mit der Belagerung von Accon(1190—1191) verknüpft. Damals war das Heer der Kreuzfahrer durch die AngriffeSaladins, durch Hunger und Seuchen, grossen Mühsalen ausgesetzt. Bürger vonLübeck und Bremen, die mit Adolf, Grafen von Holstein, nach Palästina gekommenwaren, übernahmen mit dem im Lager befindlichen Theil der Brüder vom deutschenHause in Jerusalem, die Pflege der Kranken. Dies fromme Wirken veranlasste denHerzog Friedrich von Schwaben im Jahre 1191 nach dem Muster der Templer (diemeist Franzosen) und der Johanniter (die meist Italiener) einen Orden der deutschen