Druckschrift 
1 (1899)
Entstehung
Seite
27
Einzelbild herunterladen
 

Geschichtliche Entwicklung der Krankenpilege. 27

14. Jahrhundert nicht mehr oblagen, steht geschichtlich fest. Eine weitere Stiftungähnlicher Art wurde in Frankreich mit Johanniterschwestern besetzt. 1235 wurde inBeaulieu en Quercy im Departement Lot ein kleines Hospital durch den Ritter Guibertvon Themines gegründet, das durch seinen Sohn und dessen Gattin Angeline deMaras vergrössert wurde. 1259 übernahmen die Johanniterinnen diese Anstalt, derenerste Priorin Angeline wurde. 1298 gründete der Sohn Guibert ein ähnliches Hospitalin Fieux. Nach dem im Jahre 1296 erfolgten Tode Angelines wurde deren TochlerAngeline de Themines Priorin. In demselben Jahre ernannte die Zunge von St. Gilesdas Hospital in Beaulieu durch den Grossprior, späteren Grossmeister Johann deVillaret, zum ersten Hospital der Ordensschwestern in Frankreich und die Angelinezur Gross priorin. Die Zahl der Schwestern setzte man in Beaulieu auf 40, in Fieuxauf 12 fest. Später wurden beide Anstalten verschmolzen. Mit den Jahrhundertenscheint die Krankenpllege auch hier in den Hintergrund getreten zu sein, denn dieOberin Galiotte de Gordon, Genouillac und Vaillac hielt es zu Beginn des XVII. Jahr-hunderts für nöthig zu beantragen, dass an Stelle des alten Hospitals ein neues er-bautwerde, damit die Schwestern sich in der Krankenpflege praktisch üben könnten. Sieerhielt jedoch vomConseil general de religion" eine absagende Antwort, es genügevollkommen, wenn die Hospitalitcrinnen vom heiligen Johannis in Jerusalem dieWerke der Barmherzigkeit (Beten und Almosengeben) übten, die von dem Hauptorden(Malteserritter) so erbauungsvoll vollbracht würden. Nach Galiotte's Tode (1619)setzten ihre Anhängerinnen ihre Bestrebungen fort, musslen jedoch auswandern undkamen nach Toulouse, wo sie sich vom Grossprior von Frankreich freimachten unddirekt unter den Grossmeister stellten. Dieser, Paul de Lascaris, gab ihnen neueStatuten, nach denen die Wahl der Priorin alle 3 Jahre geschehen sollte, und dieSchwestern in 3 Klassen zerfielen: 1. soeurs de justices, die sich der Ahnenprobe zuunterwerfen hatten, 2. soeurs servantes d'offices, denen die Krankenpllege etc. oblag,3. soeurs converses für die niederen Dienste. (Häser.)

Zeigen diese spärlichen Nachrichten auch nicht ein verdienstvolles Wirken inder Krankenpflege, wie das der Barmherzigen Schwestern und anderer Krankenpflege-genossenschaften, so geben sie doch den Beweis dafür, dass die Johanniterinnenselbst das Bedürfniss nach Bethätigung der Krankenpllege fühlten und diese that-sächlich auch im XVII. Jahrhundert wieder übten.

ß) Der Lazarus-Ritterorden.

Ebensowenig wie der erste Anfang des Johannishospitals und seiner Ritterin Jerusalem ist die früheste Geschichte derLazaristen", der Ritter vom heiligenLazarus in Jerusalem, urkundlich verbürgt. Als Mutterhaus gilt das domnsleprosorum St. Lazari in Jerusalem. Es steht nur fest, dass 1149 Ludwig VII.die Lazarusritter von Palästina nach Frankreich berief, um dort bei einer ver-heerenden Pest die Krankenpllege durch sie ausüben zu lassen, ferner, dassder Orden im Jahre 1154 das Castrum Boigny bei Orleans vom KönigLudwig zum Geschenk erhielt und hier seinen abendländischen Sitz aufschlug.Friedrich II. schenkte ferner dem Orden Besitzungen in Sicilien und Unteritalien.Gottfried von Staufen, sein Sohn Otto und sein Bruder Werner schenkten den HofSchlatte in Breisgau. Um diese Zeit überlässt Ludwig IV. von Thüringen dem Ordendas Spital St. Mariae Magdalenae in Gotha. Hier wurde damals die Landkom-thurei Gotha eingerichtet, der die Komthureien Breitenbach, Brunsrode, Sangerhausenund Wachenhausen unterstellt waren. Doch ist hier von Krankenpllege nicht mehrdie Rede.

Schon sehr früh bestand auch ein Generalvikariat des Ordens in Ungarn. Nach