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1 (1899)
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21
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Geschichtliche Entwicklung der Krankenpflege. 21

in sofern diese Freiheit nicht, als es den Christen freistand, ungehindert die heiligenStätten zu besuchen. Doch mussten die Pilger Anschluss an ein nationales Hospiz-suchen, oder wenn sie hilflos oder krank' waren, die Hospitäler aufsuchen, welche mitden von Landsleuten gegründeten Hospizen verbunden waren. Die Pilgerfahrten wurdenjedoch ganz erheblich schwieriger, seitdem die Seldschukken unter Arp Aslan unddessen Nachfolger Melik schah Palästina (1073) erobert hatten. Nur mit grossenGeldkosten und Abgaben gelang es, die heiligen Stätten den Pilgern zugänglich zuerhalten. Ebenso konnten die bestehenden Herbergen, Hospize etc. sich nur mit Mühebehaupten. Es lag den abendländischen Fürsten daran, die Stellung der in Jerusalemverbliebenen christlichen Zufluchtsstätten der Pilger durch Schenkungen zu erhalten..So war ums Jahr 1083 ein Hospitale Hierosolymitanum, über dessen ersten Ursprung.nichts bekannt ist, mit einem Meister an der Spitze, Anzelinus, als selbstständigeAnstalt vorhanden, die im Abendlande Besitzungen durch Fürsten und Gewaltige be-sass. Nach der Eroberung Jerusalems durch die Kreuzfahrer (1099) gewann diesHospital unter seinem Meister Gerhard an Bedeutung und Ansehen. Gottfriedv. Bouillon, der erste König von Jerusalem, schenkte ihm ein Landgut (Hessilia) undzwei Backhäuser, was Balduin I., Gottfried's Nachfolger, 1110 ausdrücklich bestätigte.Die Hospitalitergenossenschaft dieser Anstalt gründete 'eine Anzahl Zweignieder-lassungen, so in den Hafenstädten des Mittelmeers Pisa, Bari, Otranto, Tarent, Asti,S. Giles bei Arles, ferner in Messina, Sevilla, Caesarea und Antiochien überall mitder Aufgabe, den Pilgern zu dienen, sie in Fällen von Krankheit zu verpflegen undsie zu geleiten. 1113 bestätigte Pabst Paschalis IL die Organisation der Hospitälerals eine selbstständige Genossenschaft und die mit ihr verbundenen Besitzungen,auch verlieh er diesen die Vorrechte milder Stiftungen und gab den Brüdern dasRecht, ihren Leiter selbst zu wählen. Gerhard's Nachfolger, Raimund du Puy (111Soder 1120) führte die Ordensregel ein, nach der das Gelübde der Keuschheit, desGehorsams und der Armuth abgelegt werden musste, und eine geistliche Tracht, be-stehend in einem schwarzen Mantel mit weissleinenem, achteckigem Kreuz und fürden Krieg ein rothes Obergewand, über der Rüstung zu tragen, eingeführt wurde.Das früherHaus der Armen des Hospitals in Jerusalem" genannte Ordenshaus, trittim Jahre 1126 zum ersten Male alsHospital St. Johannis" in den Urkunden auf,nach Johannes dem Täufer genannt. Die Hospitaliter heissen von nunJohanniter".Da die cura pauperum et peregrinorum in damaliger Zeit auch in dem sicheren Geleitund Schutz mittels der Waffen bestand, nahm die militärische Seite der Genossen-schaft immer mehr überhand, Raimund fügte zu der christlichen Pflicht der Pflegeder Armen und Kranken das ritterliche Werk der Bekämpfung der Ungläubigen hinzu.Eine grosse .Anzahl junger Edelleute wandte sich nun der Vereinigung zu, die Rai-mund in acht Nationen oder Zungen (Provence, Auvergne, Frankreich, Italien, Arra-gonien, Castilien, Deutschland und England) eintheilen konnte. Jede Zunge wähltespäter aus ihren Mitgliedern ein Oberhaupt und besetzte mit diesem zugleich einOrdensamt.

Kaiser Friedrich I. (Barbarossa) stellte im Jahre 1185 den Orden unter 'denSchutz des deutschen römischen Reiches und befreite seine Mitglieder und Güter vonallen Dienstbarkeiten, Steuern, Zöllen u. s. w. Diese Privilegien bestätigten die nach-lolgenden deutschen Kaiser und vermehrten sie zum Theil.

Unter dem achten Hospitalmeister Roger de Moulins erhielt der Orden neueStatuten, die überliefert sind. Jede Zunge wählte ein Grosswürdenamt: der Gross-komthur (Schatzmeister) aus der Provence, der Grossmarschall (Befehlshaber der In-lanterie) aus der Auvergne, der Hospitalier (oberster Aufseher über die Wohlthatig-keitsanstalten) aus Frankreich, der Admiral (Befehlshaber der Seemacht) aus Italien,der Grosskonservator oder Drapier, Castellan d'Emposta (Vorstand der inneren Ver-